SWR Kultur Wort zum Tag
Egal ob Monika, Bruno, Ulrich oder Brigitte – ich könnte unzählige Menschen nennen, die sich ehrenamtlich engagieren. Sie retten Tiere, besuchen Kranke, stehen bei Festen am Zapfhahn. Sie hängen sich im Sportverein rein, in der Kirche oder für ein soziales Projekt.
Ob in Karlsruhe, Koblenz oder Konstanz: Das Ehrenamt ist eine echte Größe. Mehr als ein Drittel der Menschen in unserem Land ist ehrenamtlich aktiv. Menschen organisieren ehrenamtlich große Veranstaltungen oder sind zum Beispiel in der Hospizarbeit im Einsatz. Manche bleiben über Jahrzehnte mit dabei.
Natürlich gehört dazu auch, sich auf eine Gruppe einzulassen und sich auch mal etwas sagen zu lassen. Da gibt es durchaus eine Chefin oder einen Chef, der sagt, wie es zu laufen hat. Aber wenn es mich nicht überzeugt, kann ich aufhören und mir einen anderen Ort suchen. So einfach ist das. Darum sind gute Beziehungen im Ehrenamt besonders wichtig.
Es braucht ein gewisses Maß an Sicherheit und Wohlstand, um sich überhaupt engagieren zu können. Doch ich kenne auch Menschen, die von einer kleinen Rente leben und sich trotzdem gerne einbringen. Egon, zum Beispiel, lebt nach einer schweren Krankheit sehr bescheiden, aber beim Mittagstisch für Senioren packt er immer mit an.
Ehrenamtlich tätig sein – passt das noch zu unserer Zeit? In einer Zeit, in der angeblich alle nur noch aufs Geld schauen, in den Urlaub fahren und an sich denken? Das Ehrenamt zeigt, dass es noch mehr gibt als nur Beruf und Freizeit.
Und ich glaube, das tut uns gut. Denn im Ehrenamt treffe ich nicht nur Menschen mit ähnlichen Interessen. Ich lerne auch viel dazu: Zum Beispiel habe ich in der Jugendarbeit Ferienlager organisiert, gekocht und Gruppen geleitet. Da haben ich viel fürs Leben gelernt.
Gerade jetzt, wo so viele Menschen als Babyboomer in den Ruhestand wechseln, kann das Ehrenamt eine neue Blüte erleben. Was für ein großes Potenzial an Menschen mit Lebens- und Berufserfahrung! Es gibt viele tolle Projekte – und Raum für neue Ideen. Menschen im Ehrenamt bringen sich unentgeltlich ein – aber ganz sicher nicht umsonst.
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