SWR Kultur Wort zum Tag

09SEP2025
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Meine Tochter hatte Abiball und ich war mit dabei. Was für ein Abend! Ein rauschendes Fest mit schöner Musik, gutem Wein und Essen.

Über 120 junge Menschen haben auf der Bühne gestanden und als Abiturjahrgang ihren Abschluss gefeiert. Familien, Freunde, Lehrerinnen und Lehrer waren mit dabei. Die Stimmung war fröhlich und ausgelassen.

Was mich besonders beeindruckt hat, war die Dankbarkeit, die den Raum gefüllt hat. Die jungen Menschen haben der Schule, ihren Eltern und all den Wegbegleitern gedankt, die ihr Leben bis hierhin geprägt haben.

Meine Tochter fragt mich in letzter Zeit oft: "Was meinst du, welchen Weg ich einschlagen sollte?" Meine Antwort ist nicht besonders kreativ. Ich sage: "Das musst du ausprobieren. Selbst herausfinden, was zu dir passt. Wo du leben möchtest, was und wer dich interessiert.“

Ich habe vor einigen Monaten mit ihr eine Ausbildungsmesse besucht. eine Lehre zur Elektrikerin oder zur Außenhandelskauffrau kann sie sich nicht vorstellen. Sie würde gerne studieren, doch ob es eher in Richtung Naturwissenschaften oder zum Beispiel Psychologie geht – da ist sie überfragt. Auf jeden Fall will sie Freiburg verlassen und andere Orte kennen lernen.

Erst einmal geht es jetzt nach England zu einem Freiwilligendienst. Sie hat also noch zwölf Monate Zeit, um weiter darüber nachzudenken.

So oder so heißt es, Risiken eingehen: Wer weiß, ob der angestrebte Beruf hält, was er verspricht. Wer weiß, welche Fragen uns in zwei oder drei Jahren beschäftigen.

Wer als junger Mensch ins Leben geht, der braucht Optimismus. Dinge ausprobieren, scheitern und weitermachen – das geht nur, wenn ich einen gewissen Hoffnungsüberschuss habe. Die Hoffnung, dass es gut werden kann.

Dieses Gefühl habe ich beim Abiball gespürt. Die jungen Leute strahlen aus: Bis hierhin habe ich viel geschafft, und jetzt beginnt ein neues Kapitel. Da kommt noch was! Jetzt wage ich den Schritt ins Unbekannte. Jetzt will ich noch ganz neue Seiten des Lebens entdecken.

Jungen Menschen mag es leichter fallen, so nach vorne zu blicken. Aber auch ältere Menschen können sich davon etwas abschauen. Erinnern Sie sich an den Moment, als Sie die Schule abgeschlossen haben und Ihr Zeugnis in den Händen hielten? Damals wie heute: Es liegt an uns, etwas zu wagen und aufzubrechen.

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