SWR Kultur Wort zum Tag

08SEP2025
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Wären Sie gerne einmal bei „Wer wird Millionär“ dabei? Oder hätten sie Angst davor, früh an einer Frage zu scheitern? Wenn ich vor dem Fernseher mitfiebere, kann ich die Antworten meistens nur raten. Ich bewundere die Menschen, die weit kommen und mit so viel Wissen glänzen. So schlau wäre ich auch gerne.

Gerade verschiebt sich etwas beim Thema Wissen und Intelligenz. Weltweit entstehen riesige Rechenzentren, die mit Künstlicher Intelligenz arbeiten. Viele Fachleute meinen: Wir sind auf dem Weg zur Superintelligenz. Eine Künstliche Intelligenz, die ständig dazulernt, sich weiterentwickelt und in allen Wissenschaften die schwierigsten Aufgaben lösen kann. Bei „Wer wird Millionär“ würde sie alles abräumen.

Wir würden gar nicht mehr nachvollziehen können, wie diese Superintelligenz denkt und vorgeht. Sie würde unser Wissen und unsere Vorstellungskraft bei weitem übersteigen.

Vielleicht dauert es noch ein paar Jahre, bis die Superintelligenz tatsächlich kommt. Viele hoffen, dass wir Krankheiten besiegen und weniger arbeiten müssen. Andere fürchten, dass wir die Kontrolle verlieren.

Als Theologe denke ich schon lange über eine Superintelligenz nach. Denn wird Gott nicht in der Bibel auch als Superintelligenz beschrieben? Da heißt es über Gott zum Beispiel im Brief des Apostels Paulus an die Römer: „Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege!“ Paulus macht deutlich, dass Gott und seine Entscheidungen unsere Vernunft übersteigen. Wie könnten wir Gott gänzlich verstehen, wo er doch so viel größer ist als wir?

Es ist natürlich ein himmelweiter Unterschied, ob wir durch technischen Fortschritt bald eine Superintelligenz zusammenbauen. Oder ob wir glauben, dass ein guter Gott die Welt geschaffen hat, sie erhält und sich den Menschen zuwendet.

Ich meine, wir sollten das alte Wissen der Bibel nutzen, wenn es um die Zukunft geht. Die Bibel beschreibt einen langen Lernweg, den die Menschen mit Gott gegangen sind. Dabei haben vor allem Krisen und Irrtümer den Menschen geholfen, Gott besser zu verstehen – und gleichzeitig ihre eigenen Grenzen zu erkennen.

Wenn nun neue Technologien entwickelt werden, sollten wir diesen Lernprozess fortsetzen: aufmerksam und selbstkritisch. Künstliche Intelligenz eröffnet viele Möglichkeiten, aber wozu soll sie uns dienen? Welche Ziele soll sie verfolgen? Dazu müssen wir uns über unsere Werte und Hoffnungen verständigen. So wie damals die Menschen in der Bibel. Oder um es mit den Worten des Paulus zu sagen: „Prüft alles – und behaltet das Gute.“

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