Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Wo das noch hinführt…… Das denke ich manchmal, wenn ich mir die Welt so anschaue. Kriege, Klimakatastrophen, Hunger, politische Umwälzungen….
Manchmal zieht mich das richtig runter. Weil ich den Eindruck habe, ich kann dem so wenig entgegensetzen, und schon gar nichts verändern. Wenn ich mich in diese Stimmungsspirale hineindrehen lasse, dann geht‘s auch mir richtig schlecht, so schlecht wie der Welt, die ich gerade den Bach runter gehen sehe. Und dann, wie komm ich da wieder raus?
„Ich sehe Schwarzes, aber ich sehe nicht schwarz.“ Diesen Satz habe ich in einer Podiumsdiskussion gehört. Es ging genau darum, wie wir den gewaltigen Herausforderungen in der Welt, in der Gesellschaft, in der Kirche begegnen können. Auf dem Podium saß auch ein kluger älterer Herr, in jüngeren Jahren war er Bischof einer Freikirche.[1] Er war es, der diesen Satz gesagt hat: „Ich sehe Schwarzes, aber ich sehe nicht schwarz.“ Und ich meine gespürt zu haben, wie stark das gewirkt hat, nicht nur bei mir, sondern auch auf dem Podium und bei denen, die neben mir saßen.
Es ist vielleicht kein Zufall, dass gerade ein Christ wie dieser Bischof den Blick weitet. Auch er sieht Schwarzes. Auch er sieht, was nicht in Ordnung ist, was uns und unsere Welt gefährdet. Aber er sieht eben nicht nur Schwarzes. Es gibt auch Helles. Schönes, das aufatmen lässt und Gutes, das Hoffnung macht. Und er glaubt, dass die Welt nicht nur unser Machwerk ist, sondern zuerst Gottes Schöpfung. Und das wird sie auch zuletzt noch bleiben, geschunden und ausgebeutet, wie sie ist.
Das glaube auch ich, und deshalb – gerade deshalb – lege ich eben nicht die Hände in den Schoß, und sehe einfach nur noch schwarz. Nein, im Gegenteil: das gibt mir immer wieder die Kraft zu tun, was ich tun kann, um das Dunkle und Lebensfeindliche aufzuhellen. Ich kann einen einsamen Menschen regelmäßig anrufen. Ich kann das Kind einer alleinerziehenden Nachbarin aus der Kita abholen. Ich kann – wenn ich genug habe – einen Euro pro Tag spenden. Dafür bekommt ein Kind in Ostafrika jeden Tag eine Mahlzeit in der Schule. So wenig nur, aufs Ganze gesehen. Aber eben mein Anteil. Mein winziger Anteil daran, die Welt so zu gestalten, wie Gott sie gemeint hat.
[1] Volker Kühnle von der Neuapostolischen Kirche bei der Podiumsdiskussion zum Thema Warum wir an Zukunft glauben am 29.03.2025 in Rottenburg (im Rahmen der ‚Nacht der offenen Kirchen‘)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42762