Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
„So was“. So heißt die Überschrift einer kleinen Rubrik in meiner Tageszeitung. Jeden Tag steht da eine kurze Notiz über irgendetwas Kurioses oder Lustiges, das sich ereignet hat.
Als im Frühjahr die Eissaison wieder so richtig in Schwung kam, hat sich in einer Eisdiele in Pforzheim Folgendes abgespielt: Ein älterer Herr kommt herein – und legt einfach so 180 Euro auf den Tresen – mit der Bitte, dafür Eis auszugeben. Umsonst, an die Kunden, die reinkommen. So lange, bis das Geld alle ist. Zur Erklärung sagt er, er habe einen Herzinfarkt überstanden und zudem sei heute der Geburtstag seiner Tochter. Da habe er einfach das Bedürfnis, sein Glück mit anderen zu teilen.[1]
‚So was‘ schrieb die Zeitung über diese Notiz. Und das dachte ich auch, als ich‘s gelesen habe. Ich war gerührt über diese nette kleine Geschichte, bei der einem ja schon ein bisschen das Herz aufgeht. Auch mir.
Der Zufall wollte es, dass mir beim Weiterblättern ein Spendenaufruf ins Auge fiel. Ein Hilfswerk machte auf die dramatische Hungerkatastrophe im Sudan aufmerksam und warb um Spenden. Ich hatte noch die hundert verschenkten Eiskugeln vor Augen, und musste denken: Wäre es nicht vernünftiger gewesen, das Geld zu spenden, um wirkliche Not zu lindern? Eis ist ein schöner kleiner Luxus, Brot oder Reis ist lebensnotwendig.
Aber schnell wurde mir klar: Teilen. Das ist es, was so unterschiedliche Situationen wie die Eisaktion und den Spendenaufruf verbindet. Teilen, was wir alle brauchen, in ganz unterschiedlicher Weise. Nahrungsmittel, Wasser, ein Dach über dem Kopf. Aber auch Zuwendung und Aufmerksamkeit, Bildung und Sicherheit, Wohlwollen und Wertschätzung.
Der nette Spender weiß natürlich, dass er mit ein paar Kugeln Eis nicht die Welt rettet. Und doch hat er damit vielleicht mehr bewirkt als er wissen kann. Auf jeden Fall hat sich seine Freude ausgebreitet. Und vielleicht hat er manchen, die nicht gut drauf waren, ja ein bisschen Geschmack aufs Leben gemacht. Auf Leben, das nach Himbeeren schmeckt oder nach Schokolade. Nach Leichtigkeit. Nach Überraschung. Nach geteilter Freude. ‚So was‘ soll‘s geben. Und manchmal steht‘s dann sogar in der Zeitung.
[1] Schwäbisches Tagblatt, 17.05.2025
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42760