Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

01SEP2025
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Sie geht einfach nicht auf, die Tür in der S-Bahn. Wie verzweifelt ich auch den Knopf drücke, es tut sich nichts. Ich muss doch raus, denke ich, schon leicht panisch. Es ist schon spät, und ich kenne mich in der Gegend nicht gut aus, weiß nur, an welcher Haltestelle ich aussteigen soll. Während ich so erfolglos versuche, die Tür zu öffnen, kommt von der Seite ein junger Mann, mit mir der einzige Fahrgast im Abteil. Lässig geht er auf die andere Tür zu, gegenüber, und öffnet sie. Wir steigen beide aus. Ich geniere mich ein bisschen. Aber zum Glück kennt mich hier ja niemand, deshalb verfliegt meine Verlegenheit auch schnell und ich denke nicht mehr weiter dran.

Woran ich dagegen heute noch denke, das ist die Sache mit der Tür. Mit der falschen Tür, an der ich umsonst gerüttelt habe. Denn auch im ‚richtigen Leben‘ passiert mir das immer wieder mal, dass ich quasi ‚an falschen Türen‘ stehe und darauf warte, dass sie sich öffnen. Da plane ich irgendetwas und gehe ganz selbstverständlich davon aus, dass es klappt. Eine Reise etwa. Und dann, kurz vor der Abreise, kommt etwas dazwischen. Das Auto streikt. Oder das Bahnpersonal. Oder ich liege mit Fieber flach. Die ‚Tür‘, vor der ich stehe, geht nicht auf. Mein Plan geht nicht auf. 

Meine Erwartungen können mich dazu bringen, vor der falschen Tür zu stehen, meine Vorstellungen davon, wie etwas zu laufen hat und wie nicht. Und weil ich mich so sehr auf die eine Tür fixiere, sehe ich gar nicht, dass gegenüber eine andere schon angelweit offen steht. Ich müsste nur die Perspektive ändern, die Blickrichtung. Aber was heißt ‚nur‘ – das ist es ja oft, was so schwer fällt. Mich umdrehen. Zur Seite treten. Meinen Stand verändern, und damit auch meinen Stand-punkt.  

Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass ich die Türen, die sich dann auch öffnen, gar nicht selbst suche. Ich glaube vielmehr, ich werde geführt. Von Menschen, die mir immer wieder zeigen, dass es mehr Türen gibt, als nur die, vor der ich stehe. An der ich vielleicht panisch rüttle, wie damals in der S-Bahn. Oder es sind Ereignisse, oder Umstände, die eben sind, wie sie sind. Ich glaube ja, dass das alles nicht zufällig ist wie es ist. Und nicht zufällig geschieht. Sondern dass ich geführt werde, von Schritt zu Schritt, von Ziel zu Ziel. Von Tür zu Tür. Bis an die letzte ‚Tür‘ meines Lebens. Und durch sie hindurch – irgendwann.

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