SWR3 Gedanken
Vor ein paar Jahren haben sie für das Theaterstück „Die Bettleroper“ in Freiburg ganz bestimmte Leute für einen Chor gesucht – und zwar echte Bettlerinnen und Bettler. Und sie haben sie tatsächlich auch gefunden. Seitdem gibt es den Freiburger „Bettlerchor“. Auch nach der Inszenierung sind sie zusammengeblieben - ein Chor aus Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten, die zusammen proben, singen, auftreten und die Freiburger Kulturszene bereichern.
Johannes singt auch mit. Er war vier Jahre obdachlos, hat in einem Schrebergarten gewohnt. In dieser Zeit war er viel allein und hat sich einsam gefühlt. Er sagt: „Als ich den Bettlerchor das erste Mal gehört habe, haben mir vor allem die Texte gefallen, sie haben mir aus dem Herzen gesprochen.“ Kein Wunder, denn die Chorleiterin Maren Moormann lädt ihre Leute immer wieder zu einer „Schreibwerkstatt“ ein. Dort entstehen dann Songtexte, so dass es auch wirklich um ihre Herzensanliegen geht: dass alle Menschen Rechte haben und gleich behandelt werden, dass man mitbestimmen dürfen sollte, und dass viele Menschen sich einsam fühlen.
Die Chorleiterin ist stolz auf ihre Truppe und sagt: „All die Sängerinnen und Sänger haben diesen Chor gefunden, um sich gegenseitig zu stärken, aber auch um ihre jeweilige Botschaft in die Welt hinauszusenden.“
Probe ist wieder heute Nachmittag von vier bis sieben. Diese Proben möchte niemand missen. Und Johannes sagt, was die meisten denken: „Was wäre die Woche ohne die Bettlerchor-Probe?“ Für die Sängerinnen und Sänger ist es eine gemeinsame und unbeschwerte Zeit, in der sich für drei Stunden ihr schweres Los, schwerelos anfühlt.
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