Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Manchmal kann eine Schale Brombeeren deutlich machen, worauf es ankommt im Leben. In einer Bibelgruppe haben wir über eine Geschichte gesprochen, die Jesus erzählt. Da wird von einem reichen Mann berichtet, der sieht, dass die Ernte auf seinen Feldern viel viel größer ist, als er gedacht hat. Seine Speicher reichen gar nicht, um so viel Getreide aufzunehmen. Angestrengt denkt er darüber nach, wie er die Ernte unterbringen kann. Und kommt schließlich zu dem Ergebnis: Er muss alle Speicher abreißen und neue bauen. Und dann, denkt er sich, „habe ich endlich ausgesorgt und kann mich ausruhen“. „Du Narr!“, sagt Gott da zu ihm, „noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was Du angehäuft hast?“ (Lk 12,20).
Die Geschichte hat uns beschäftigt. Wir haben uns gefragt: Was macht denn ein Leben wirklich glücklich? Einer der älteren Teilnehmer hat gesagt: „Der reiche Mann in der Geschichte hat eigentlich gar nicht richtig gelebt. Der war nicht glücklich. Hat das Leben nicht genießen können. Hat immer nur gedacht, wie er seinen Besitz noch größer machen kann“. Und eine Frau ergänzt: „Weil er nicht den Moment gelebt hat, hat er auch seine Mitmenschen nicht sehen können, die vielleicht gerade Hunger gelitten haben. Mit denen hätte er seinen Überfluss teilen können und hätte trotzdem noch genug gehabt.“
Und da erzählt eine weitere Frau, wie ihre Cousine ihr frische Brombeeren gebracht hat. „Sie hätte sie auch für sich behalten können“, sagt sie, „aber sie hat gewusst, wie sehr ich Brombeeren mag und hat gerne mit mir ihre Ernte geteilt. Jetzt sehe ich die Brombeeren in meinem Kühlschrank mit ganz anderen Augen“!
Die Brombeeren sind für die Frau zum Zeichen geworden, wie gut es tun kann, Dinge miteinander zu teilen. Das hat sie froh gemacht und auch ihre Cousine. Im Kleinen ist das ein schönes Bild für das, was Jesus mir mit seiner Geschichte sagen will: Leben heißt, jeden Moment bewusst erleben, und wach sein für meine Umwelt und meine Mitmenschen. Und für das, was sie vielleicht gerade brauchen.
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