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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Wenn zwei zusammen schlafen, wärmt einer den andern...“ , heißt es im Buch des Predigers im Alten Testament (Kohelet 4, 11). Na also – endlich die ideale Lösung, um mit „erneuerbaren Energien“ gegen die steigenden Ölpreise vorzugehen? Kuscheln statt heizen? Klingt lustig, ist es aber gar nicht. Ich kenne arme und überschuldete Haushalte, die in diesem Jahr kein Heizöl kaufen können. Pfeift erst mal der Wind durch die Ritzen, bleibt denen gar nichts anderes übrig, als in einer einzigen geheizten Bude zusammen zu rücken, falls sie nicht gleich eine öffentliche Wärmestube aufsuchen müssen. Ob die Politik sich wohl bald mal Gedanken macht, wie sie diesem Notstand im nächsten Winter begegnen will? Leichtfertig hat sie auch diesen sensiblen Bereich, nämlich die Energieversorgung aus der Hand gegeben und privatisiert. Brauchen wir wie ehedem den „Kohlepfennig“ bald einen „Öl-Cent“ – diesmal nicht, um den maroden Bergbau zu stützen, sondern um den Armen einzuheizen?

Auch wir, deren Tanks längst gefüllt sind und die wir einigermaßen sorglos der kalten Jahreszeit entgegensehen, wissen sehr wohl, was zu tun ist. Energie sparen und nochmals sparen! Die Vorräte werden knapp, und neue zu erschließen, kostet eine Stange Geld. Außerdem: Die ölexportierenden Länder samt den gigantischen Öl- und Energiekonzernen diktieren uns doch längst schon die Preise. Spekulanten mischen mit – die wissen auch aus der Not noch Profit zu schlagen. Sie alle verstehen nur noch eine einzige Sprache: die sinkende Nachfrage!

Einander wärmen – das gilt natürlich auch im übertragenen Sinn, nämlich die Herzenskälte mit Herzenswärme zu überwinden, sich Vertrauen und Geborgenheit zu schenken. „König David war alt und hochbetagt“, heißt es im „Buch der Könige“ im Alten Testament (1, 1-4), „auch wenn man ihn in Decken hüllte, wurde ihm nicht mehr warm“. Er fühlte sich nicht mehr angenommen, nicht mehr geliebt. Es war einsam um ihn geworden. Hinter seinem Rücken war das Geschacher um seine Nachfolge voll im Gang.

Auch bei uns laufen mitten im Hochsommer Eiszapfen herum. Ehepartner, die vielleicht noch einen Zweckverband aufrecht erhalten, sich aber nicht mehr wärmen und umarmen, junge Menschen auf der Suche nach Verständnis und Annahme, Alte in ihren einsamen Verliesen. Sie alle sehnen sich nach Liebe. Und bei dieser handelt es sich tatsächlich um eine „erneuerbare Energie“. Je mehr wir davon verschenken, desto mehr bekommen wir – in aller Regel – selbst davon zurück.

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