SWR4 Abendgedanken

13AUG2025
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Es gibt Dinge, die möchte niemand im Urlaub erleben. Eine Autopanne zum Beispiel. Doch genau das ist meinem Partner und mir in den letzten Ferien passiert. Auf einer engen Passstraße in den slowenischen Alpen hat unser Campervan einen Platten bekommen. Erst hat es ordentlich geruckelt und dann hat unser Auto nur noch geeiert. Zum Glück konnten wir uns in eine nahegelegene Parkbucht retten. Da angekommen sind mir direkt Fragen in den Kopf geschossen: „Ist sonst noch was am Auto kaputt? Und was wird das ganze wohl kosten? Als wir da bedröppelt auf den Abschleppdienst gewartet haben, den wir Gott sei Dank erreicht haben, hat uns ein freundlicher älterer Herr auf Deutsch angesprochen; er war mit dem Fahrrad unterwegs. Aufmunternd hat er zu uns gesagt: „Macht euch nichts draus, solche Dinge passieren. Mein Camper hatte gestern auch einen Platten.“ Kaum hat er das gesagt, war er mit seinem Fahrrad auch schon wieder weg. Es waren nur wenige Worte, eigentlich nichts Besonderes. Kein praktischer Ratschlag und kein Hilfeangebot. Nur so ein Satz von der Art, die man schon oft gehört hat. Aber in dem Moment war es genau das, was ich gebraucht habe. Die freundlichen Worte haben die nächsten zwei Stunden erträglicher gemacht, die wir warten mussten bis der neue Reifen drauf war. 

Gute Worte verbinden. Es ist unglaublich aufmunternd zu erleben, dass man gesehen wird und dass man nicht die Einzige ist, bei der mal was schief geht. Zwar konnte der Mann mit dem Fahrrad nichts an unserer Situation ändern, aber er hat uns dabei geholfen, unsere Panne aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

So ein Perspektivenwechsel kann in vielen Momenten helfen. Gerade dann, wenn man in einer Negativspirale feststeckt und es schwer ist noch irgendwas Gutes zu sehen. Wenn meine Freundin ein blödes Projekt bearbeiten muss und sie nur über ihren Job schimpft, dann kann ich sie daran erinnern, worüber sie normalerweise schwärmt. Oder wenn meine Nichte frustriert ist vom Geige Üben, kann ich ihr erzählen wie toll das letzte Vorspiel war. Das Projekt ist und bleibt dann immer noch langweilig und das Geigespielen mühselig, aber vielleicht wird die Haltung mit der ich an die Sache rangehe, ein bisschen anders.

So war es übrigens auch bei unserer Autopanne im Urlaub. Natürlich war es frustrierend, dass wir überhaupt liegengeblieben sind. Aber der Zuspruch von dem älteren Herrn hat etwas Leichtigkeit in die Situation gebracht.
Pannen passieren, Phasen sind anstrengend und Aufgaben mühselig, aber wenn ich gesehen werde und mir jemand dann noch etwas Aufmunterndes sagt, das kann helfen. Nicht für alles. Aber vielleicht für das nächste Stück Weg.

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