SWR Kultur Wort zum Tag

11AUG2025
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Schon als Kind war ich ein großer Fan von Hörspielen. Die hab ich geliebt und bin ganz in die Welten, die mir vorgespielt wurden, eingetaucht. Und auch heute mag ich sie noch, wenn es auch nicht mehr dieselben sind wie früher. Kein Benjamin Blümchen und kein Alf mehr. Heute sind es eher Hörbücher, die mich begleiten, wenn ich unterwegs bin. Und es sind auch keine Kassetten mehr wie früher, sondern dafür habe ich heute eine App auf meinem Smartphone. Und wie es nun einmal so ist, wenn man irgendwo regelmäßig etwas Neues kauft, bekomme ich ständig Vorschläge, was ich denn als Nächstes hören könnte. Offensichtlich gibt es da eine künstliche Intelligenz, die sich an meinem Hörverhalten orientiert und mir Angebote macht. Das ist recht witzig, weil ich dazu neige mir sogenannte Literaturklassiker anzuhören. Die Angebote klingen dann in etwa so: „Empfehlung für Dich: Das neue Buch von Georg Büchner“. Oder: „Jetzt neu: Der aktuelle Roman von Truman Capote.“ Oder auch: „Nicht verpassen: Neues von Thomas Mann“!

Ich muss da immer schmunzeln, denn all diese Autoren sind schon lange tot und haben ganz sicher kein neues Buch geschrieben. Aber offenbar weiß das die Künstliche Intelligenz nicht. Sie ist nicht darauf ausgerichtet herauszufinden, was neu oder alt ist oder was hinter den angepriesenen Titeln wirklich steckt. Es geht ihr darum etwas zu verkaufen. Da nimmt sie es mit der Wirklichkeit nicht so genau. Sie bietet mir Altes und längst Bewährtes als brandneu an. Und das ist etwas, das mir auch in anderen Bereichen immer wieder begegnet. Wir leben ja, wie es heißt, in einer beschleunigten Zeit voller Veränderungen. Ständig gibt es etwas Neues, etwas völlig Revolutionäres. Aber oft frage ich mich, ob das dann wirklich so neu oder ob es nicht vielmehr etwas längst Bekanntes, nur in einem neuen Gewand, ist. Ich denke da vor allem an gesellschaftliche Themen. Zum Beispiel wird in den letzten Jahren ja sehr viel über den menschengemachten Klimawandel gesprochen und gestritten. Doch ist das Thema gar nicht so modern. Schon in den 1920er Jahren warnte der Philosoph Theodor Lessing vor dem – wie er schrieb -  „Kohlendunst der Riesenstädte“ und sprach von einem drohenden Klimawandel.

Auch wenn vieles heute anders klingt, anders aussieht, sich anders anfühlt. Schneller und komplexer ist. Ich denke, dass im Kern gar nicht so viel Neues geschieht oder entsteht. Dass das Allermeiste schon einmal da gewesen ist und es sich uns heute lediglich anders zeigt. Wie ein altes Buch von Thomas Mann – nur als Hörbuch.

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