SWR3 Gedanken
Schon witzig, wie man sich manche Sachen als Kind vorgestellt hat. Ich hab mir zum Beispiel überlegt, dass Beten so funktioniert, wie bei einem Snackautomaten. Oben müssen nur genug Münzen - oder eben Gebete - rein und dann bekomme ich direkt, was mein Herz begehrt.
Aber so läuft das natürlich nicht, dass ich bete und Gott prompt liefert. Manche Bitten bleiben unerhört. Wie wenn die Gummibärchen-Packung in der Spirale des Automaten hängen bleibt. Oder manche Bitten erfüllen sich anders, als ich es mir vorgestellt habe.
In manchen Punkten, bin ich - wenn ich ehrlich bin - sogar froh, dass Gott mein Gebet nicht erhört hat. Zum Beispiel, als mir in der Schulzeit meine Teenie-Liebe eine Abfuhr erteilt hat. Heute denke ich: Zum Glück – das hätte sicher im Drama geendet.
Allerdings gibt es auch die Momente, die richtig schmerzhaft sind. Wenn ich mich immer wieder an Gott wende und er einfach nicht gibt. Vor allem dann, wenn es um Dinge geht, die einem das Herz zerreißen. Ich erinnere mich bis heute an den Freund meines Bruders, der mit 17 gestorben ist. Was haben wir da gehofft, dass er es schafft. Auch wenn ich noch so versuche das zu verstehen, ich kann es nicht.
Vielleicht geht es beim Beten gar nicht darum, dass ich bekomme, was ich mir wünsche. Vielleicht geht es eher darum, dass ich vertraue, dass Gott dabeibleibt, egal was kommt.
Gott verspricht nicht, dass er mir alle Wünsche erfüllt. Das stärkste Versprechen, das er mir gibt, ist: „Ich bin bei dir, in den Regentagen deines Lebens, wenn du albern bist wie ein Kind, oder wenn du graue Haare kriegst. Und wenn du hoffst und Sehnsucht hast – auch dann bin ich da. Ich halte mein Wort.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42726