Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

13AUG2025
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Es ist der 13. August 2002. Ich war mit meiner Mutter auf einem Krankenhausbesuch auf der anderen Flussseite meiner Heimatstadt und auf dem Heimweg regnete es in Strömen. Wir waren gerade wieder zu Hause angekommen, als im Küchenradio vom Hochwasser berichtet wurde. Die tagelangen extremen Regenfälle hatten die Wege und Brücken um den Fluss herum unpassierbar gemacht.

Wären wir nur eine halbe Stunde später von unserem Krankenbesuch aufgebrochen, hätten wir tagelang keine Chance mehr gehabt, nach Hause zu kommen. Denn die Straße, die wir hätten fahren müssen, war vollkommen überflutet. Und die Menschen auf der anderen Seite des Flusses waren für uns nun unerreichbar.

Vielleicht kennen Sie das: man will mit jemandem reden, auf die andere Person zugehen, etwas klären – doch es geht einfach nicht. Der Weg zueinander ist unpassierbar geworden.

Ein Streit, der schon lange schwelt, Worte, die verletzt haben, zu lang andauerndes Schweigen – all das macht es kompliziert. Wenn Gesprächswege überflutet und zwischenmenschliche Brücken beschädigt sind, ist es wirklich schwierig, zueinander zu kommen. Wie finden wir dann aber passierbare Wege? Wie können wir wieder zueinander kommen? Die Bibel macht uns Mut, von uns aus Frieden zu suchen.

„Lebt mit allen Menschen in Frieden –
soweit das möglich ist und es an euch liegt.“

So steht es im Römerbrief Kapitel zwölf, Vers 18. Das bedeutet nicht, dass wir immer mit allen Menschen in Frieden leben. Schön wäre das, aber leider utopisch. Dieser Vers lädt uns ein, das zu tun, was wir tun können. Damit Wege und Brücken zueinander wieder passierbar werden. Einen ersten Schritt gehen. Alten Groll loslassen. Einen Anruf wagen. Ein Gebet sprechen. Selbst wenn die andere Seite noch nicht bereit ist.

„Lebt mit allen Menschen in Frieden – soweit das möglich ist und es an euch liegt.“ – so steht es in der Bibel und es wird deutlich: wir selbst haben nicht alles in der Hand.

Aber wir können entscheiden, ob wir überhaupt anfangen die Brücken und Wege unserer zwischenmenschlichen Beziehungen zu reparieren und wieder passierbar zu machen. Gott kann uns dabei helfen, die Stelle zu finden, an der wir anfangen können. Vielleicht fängt es klein an, doch wichtig ist ja, dass wir anfangen.

Nach dem Hochwasser 2002 wurden zunächst Behelfsbrücken und -straßen installiert. Es dauerte lange, bis alles wieder repariert war. Und trotzdem: die Wege und Brücken wieder passierbar zu machen, war wichtig. Damit Menschen wieder zueinander finden konnten. Mit Gottes Hilfe können wir tragfähige Brücken und vertrauenswürdige Wege bauen. Und vielleicht ergibt sich ja heute die Chance, damit zu beginnen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42723
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