SWR Kultur Wort zum Tag

05AUG2025
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Die Holzfiguren des Künstlers Ralf Knoblauch fallen sofort ins Auge. Es gibt viele von ihnen. Es sind Königinnen- und Königsfiguren. Sie tragen ein weißes Hemd und schwarze Hose oder verschiedene weiße Kleider. Die Grundfarbe der Figuren ist ein dunkles Braun. Die Köpfe sind rund, oval, eckig und so unterschiedlich wie das Leben. Viele haben eine goldene oder silberne Krone auf dem Kopf. Oder eine Krone liegt auf dem Holzsockel, auf dem die Figuren stehen. Etwa 20 bis 60 Zentimeter sind sie groß. Sie alle sind Unikate. Jede Figur strahlt eine eigene Schönheit und Würde aus. So wie jeder einzelne Mensch einzigartig, auserwählt und würdevoll ist. So sagt es der Künstler Ralf Knoblauch.

Die Figuren können einzeln oder zu mehreren für Ausstellungen oder Veranstaltungen ausgeliehen werden. Die Hochschulgemeinden in Mainz haben eine Königsfigur für den ökumenischen Semesterschlussgottesdienst ausgeliehen. Passend zum Thema des Gottesdienstes: „Würde – unantastbar“.

Die Figur ist etwa 50 Zentimeter groß und steht mitten im Gottesdienstraum. Ein kleines goldenes Krönchen liegt auf dem Sockel und gehört zur Figur dazu. Die Figur ist ein Blickfang. Ja, würdevoll sieht sie aus und gleichzeitig ganz schlicht.

Die Königsfiguren des Künstlers erinnern an das erste Kapitel der Bibel, in dem der Mensch als Krone der Schöpfung und als Gottes Ebenbild bezeichnet wird. Jede einzelne Person, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Alter, Behinderung, Geschlechtsidentität oder sexueller Orientierung ist als Gottes Bild geschaffen. Damit werden nicht nur die Menschen als bunt und vielfältig angesehen, sondern auch Gott selbst.

Es ist in biblischen Zeiten etwas ganz Außergewöhnliches, dass diese so genannte Gottesebenbildlichkeit nicht nur Königen und Königinnen zugesprochen wird, wie es beispielsweise im Alten Ägypten geglaubt wurde. Die menschliche Würde ist damit schon zu biblischen Zeiten demokratisiert worden und gilt allen Menschen.

Genau dieser Gedanke der Menschenwürde spielt in fast allen Religionen und Weltanschauungen eine zentrale Rolle, auch bei den humanistischen Prinzipien der Menschenwürde, so wie sie in der Universalen Erklärung der Menschenrechte 1949 aufgeschrieben wurde.

Im Hochschulgottesdienst haben wir bunte Anstecker mit der Aufschrift „Menschenwürde – unantastbar“ verteilt und uns ans Revers geheftet. Die Anstecker sollen uns genau wie die Königsfiguren daran erinnern, dass wir alle eine ganz besondere, eine göttliche Würde in uns tragen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42694
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