SWR Kultur Lied zum Sonntag
„Solang wir Atem holen, erweckt uns Gottes Ruf, ins Lied zu übertragen, wozu er uns erschuf.“
Mit diesen Worten beginnt ein moderner Psalm aus den Niederlanden. Der Pfarrer Sytze de Vries hat ihn vor 40 Jahren für ein Chorjubiläum geschrieben. Sein deutscher Kollege Jürgen Henkys hat die Worte treffend übertragen: „Einander zugewiesen als Farben eines Klangs sind wir im Chor des Lebens die Stimme tiefen Danks.“ Viele Farben hat dieser Klang. Keine darf dabei fehlen. Erst alle Farben zusammen machen diesen besonderen Klang aus. So loben wir Gott.
Musik: 1. Strophe
Solang wir Atem holen, erweckt uns Gottes Ruf, ins Lied zu übertragen, wozu er uns erschuf: Einander zugewiesen als Farben eines Klangs sind wir im Chor des Lebens die Stimme tiefen Danks.
Der Chor des Lebens. In ihm haben schon Generationen vor uns gesungen. Sytze de Vries hat eine alte walisische Choralweise für sein Lied ausgesucht. Auf diese Melodie gibt es im niederländischen Gesangbuch ein Lied über die heilende Kraft Gottes. Daran knüpft er an – seine Stimme und sein Atem waren krank, als er sein Loblied geschrieben hat. Davon erzählt die zweite Strophe: „Auch wenn die eigne Stimme mir ihren Dienst versagt, das Lied auf andren Lippen trägt, bis der Morgen tagt. Von Atemnot befallen, im Kummer stumm gemacht – das Hoffnungslied mit allen hat mich ans Licht gebracht.“
Es wird wieder Licht, auch für den Kranken. „Das Dunkel muss erbleichen vor Psalmen in der Nacht“, heißt es in der 3. Strophe:
Musik: 3. Strophe
Das Dunkel muss erbleichen vor Psalmen in der Nacht. Selbst Mauern können fallen: Singt denn aus aller Macht! Gott, lass es nie uns fehlen an Weisen und Gesang, die unsern Gang beseelen das liebe Leben lang.
Die Finsternis löst sich auf ins Morgengrauen. Neues Vertrauen, neue Hoffnung lassen den Druck auf der Brust nachlassen. Die Nacht weicht dem Licht eines neuen Tages. Angst und Not bleiben in den Schatten der Nacht zurück.
Viele stimmen nun gemeinsam das Loblied an. Es greift weit hinaus, über alle Not, alles Leid – bis ans Ende der Zeit. Die Bibel malt von diesem Ende ein hoffnungsvolles Bild: ein Hochzeitsfest, das allen Kummer auflöst. Schon hören wir Braut und Bräutigam näherkommen, hören Tanzmusik, fröhlichen Gesang: „Das Lied hebt seine Flügel und schwebt im Hoffnungswind.“
Musik: 4. Strophe
Das Lied hebt seine Flügel und schwebt im Hoffnungswind. Es übersteigt die Ängste um Leben, das verrinnt. Es blickt hinaus ins Weite, es atmet deinen Geist. Schon tönt in unserem Singen von fern das Hochzeitsfest.
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Titel / Lied:
„Solang wir Atem holen“ (nL+ 193)
Komponist:
T: Sytze de Vries 1985 / deutsch: Jürgen Henkys 2010
M: Llangloffan (traditionelle walisische Choralmelodie) / Bearbeitung: Kord Michaelis
Musik: Motettenchor Pforzheim, Leitung: Kord Michaelis. Livemitschnitt von der Nacht der Chöre auf dem Chorfest Baden in Emmendingen, 05.07.2025
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