SWR1 3vor8

03AUG2025
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Ich gehöre zum Team Sicherheit. Das heißt, ich mag es organisiert, durchdacht und abgesichert. Ich mache gern Pläne und schreibe to-do-Listen, und auch mein Vorratsschrank ist gut bestückt. Nudeln, Tomatensauce, Kaffee – von allem mehr als eine Packung.

Damit bin ich nicht allein. Beim Vorräte anlegen, waren Menschen schon immer erfinderisch. Keramiktöpfe hat man genutzt, um Brot, Kartoffeln oder Zwiebeln zu lagern. Andere Lebensmittel wurden eingelegt, gepökelt, eingekocht oder getrocknet. Und Scheunen wurden gebaut. Große Lagerräume für Heu und Getreide. Wer Vorräte hat, fühlt sich sicher.

In das Team Sicherheit gehört auch der Kornbauer, von dem heute in katholischen Gottesdiensten zu hören ist. Seine Ernte verspricht gut zu werden, und er plant, größere Scheunen zu bauen, um die Ernte unterzubringen. Er hofft, dass er sich dann endlich zurücklehnen und ausruhen kann. Denn er sagt sich: „Seele, nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freue dich!“ (Lk 12,19) Doch genau das geht schief. In dem Gleichnis, das Jesus erzählt, kommt an dieser Stelle Gott zu Wort und sagt zu dem Kornbauern: „Du Narr. Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, das du angehäuft hast?“ (Lk 12,20)

Als ich das Gleichnis das erste Mal gehört habe, wusste ich nicht so recht, was ich damit anfangen soll, und ich habe mich gefragt: Was soll denn daran verkehrt sein, Vorräte anzulegen? Doch dann habe ich verstanden: es geht weniger um die Vorräte selbst als darum, welchen Stellenwert ich ihnen einräume. Der Kornbauer möchte Vorräte anhäufen, weil er sich nach einem sorglosen Leben sehnt. Aber damit muss er das erfüllte Leben auf später verschieben, weil er ja noch damit beschäftigt ist, Scheunen zu bauen und die Vorräte zu lagern.

Und das macht die Seele nicht reich. Sie funktioniert anders als meine Vorratshaltung. Die Seele braucht Seelenpflege. Und die geht nicht auf Vorrat, sondern immer nur jetzt. Indem ich aufmerksam bin für das, was jetzt gerade um mich ist. Der Seele tut es gut, wenn sie nicht abgekapselt wird oder – um im Bild des Kornbauern zu bleiben – in einer Scheune lagert, sondern wenn sie sich verbinden kann: mit der Sonne oder dem Wind um mich herum. Mit Musik. Mit den Menschen, mit denen ich zusammenlebe oder arbeite. Die, mit denen ich befreundet bin, aber auch mit denen, denen ich zufällig begegne. Das tut der Seele gut. Und ich merke: damit ist sie auch mit Gott verbunden.

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