Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Helen, meine kleine Nichte, liebt es, wenn wir mit Kissen und Decken Höhlen bauen. Da kann sie spielen, hineinkriechen und sich sicher- und wohlfühlen.
Auch ich brauche Höhlen in meinem Leben. Also Orte, an denen ich mich verkriechen kann, wenn es hektisch, stressig oder laut in meinem Leben wird. Oder wenn ich mal vor der Unsicherheit der Welt fliehen mag. Dann ziehe ich mich gern zurück – am liebsten auf mein Sofa unter die Decke. Oder im Sommer auch in den Schatten auf dem Balkon oder in eine kühle Kirche. Dort kann ich ausruhen und mein Herz entspannen.
In der Bibel gibt es auch Menschen, die sich in Höhlen zurückziehen. Der Prophet Elija ist einer davon. Er hat eine anstrengende Zeit hinter sich. Mit Energie und Herzblut hat er sich in die Arbeit gestürzt und alles gegeben, um zu zeigen, dass sein Gott der Größte ist. Aber es hat nicht gereicht. Er konnte die anderen nicht überzeugen und wird sogar von ihnen verfolgt. Nun weiß er nicht mehr weiter. Lange ist er ziellos umhergelaufen und hat sich dann in eine Höhle zurückgezogen. Dort begegnet ihm Gott. Aber nicht auf spektakuläre Weise oder mit aufsehenerregenden Zeichen. Zwar hört Elija den Sturm, von dem es in der Bibel heißt: „Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus.“ (1Kön 19,11) Und auch Erdbeben und Feuer, die an der Höhle vorbeiziehen, nimmt Elija deutlich wahr, aber Gott begegnet ihm darin nicht. Stattdessen bemerkt Elija Gott mit seinen inneren Sinnen wie in einem leisen Windhauch (1Kön 19,12). Oder wie eine sanfte und zarte Stimme im Herzen, die ihn ermutigt und spüren lässt: ich bin nicht allein.
In den letzten Wochen war auch bei mir jede Menge los. Anstrengendes, aber auch viel Schönes. Bei mir steht ein Stellenwechsel und ein Umzug an, und bevor ich aus Heidelberg wegziehe, habe ich mit Freunden gefeiert und viele Menschen getroffen, die ich hier kennengelernt habe. Und so schön das war: es braucht nun auch wieder ruhigere Zeiten. Stille Abende, um mich zurückzuziehen. Ein paar Stunden, damit es in mir etwas leerer und stiller werden kann. Um mich selbst wieder mehr zu spüren und dann darin vielleicht auch Gott zu erfahren.
Höhlenzeiten – sie tun mir gut, wenn viel los war. Und ich weiß: dann kann ich – wie Elija – irgendwann auch wieder aus meiner Höhle herauszukommen und mich neuen Aufgaben stellen.
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