SWR3 Gedanken
Wofür braucht es eigentlich die Kirchen? Oder persönlicher gefragt: Wofür brauche ich die Kirche überhaupt? Wie es bei solchen Fragen ist: Die kann jede und jeder nur für sich selbst beantworten. Was ich anbieten kann, das ist meine Antwort. Und weil ich jetzt nicht einfach stundenlang erzählen kann, greife ich nur zwei Dinge heraus.
Ich brauche die Kirche, weil sie Menschen in schwierigen Lebenslagen hilft. Zur evangelischen und katholischen Kirche gehören zum Beispiel Diakonie und Caritas. Dort gibt es unzählige Möglichkeiten, Menschen ganz zielgerichtet zu helfen. Die Diakonie in meiner Gegend bietet zum Beispiel Lebensberatung, Hilfe bei finanzieller Not oder bei Suchtproblemen. Zur Diakonie gehören bei uns in der Stadt eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung, eine Wohnanlage für psychisch beeinträchtigte Menschen und eine Kita. Und dann engagiert sich die Diakonie auch noch in der Pflege und Nachbarschaftshilfe.
Mein zweiter Grund: Kirche bietet mir eine Gemeinschaft, die für mich da ist. Ich bin schon mehrfach umgezogen. Und ich habe es bisher noch an jedem Wohnort so erlebt, dass ich in der örtlichen Kirchengemeinde Menschen kennengelernt habe, die immer ein offenes Ohr hatten und mit Rat und Tat zur Seite gestanden sind. Und es tut mir gut, meinen Glauben im Austausch und in der Gemeinschaft mit anderen zu leben. Wenn ich mal mit dem Glauben hadere – und ja, natürlich kommt das auch bei uns Pfarrerinnen und Pfarrern vor –, gibt es in der Gemeinde immer welche, die für mich mitglauben. So wie ich für andere mitglaube, wenn die mit dem Glauben zu kämpfen haben.
Wofür brauche ich also die Kirche? Mir ist sie wichtig, weil sie eine Gemeinschaft bietet, die gemeinsam durch die Höhen und Tiefen des Lebens geht. Dabei aber immer auch die ganze Gesellschaft im Blick hat. Und die hilft, wo sie kann. Darum bin ich gerne in der Kirche.
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