SWR3 Gedanken

06AUG2025
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„Eine Hilfe für sozial schwache Familien“. Bei einem Geburtstag hat das vor kurzem jemand gesagt. Und ich zucke innerlich bei der Formulierung zusammen, weil ich sie falsch finde: „sozial schwache Familien“ oder auch „sozial schwache Menschen“, ganz allgemein. Gemeint sind Menschen, die wenig Geld zur Verfügung haben oder sonst unter prekären Umständen leben. Die sich weniger leisten können, als die meisten um sie herum.

Mich regt diese Formulierung auf, weil sie den Menschen überhaupt nicht gerecht wird. Für mich liegt das an beiden Worten, „sozial“ und „schwach“. Das Wort „schwach“ legt nahe, dass da jemand selbst schuld ist an seiner Situation. Wer zu schwach ist, ist nicht stark genug. Wer zu schwach ist, hat nicht genug geleistet, nicht genug gemacht, sich nicht genug angestrengt. Das trifft auf viele dieser Menschen aber überhaupt nicht zu. Viele leisten mehr, als sie eigentlich stemmen können. Oft rackern sie in mehreren Jobs, um über die Runden zu kommen. Um, wenn es Kinder gibt, ihnen auch mal etwas zu ermöglichen. Sie kommen jedoch nur an Jobs, für die wenig bezahlt wird.

Vor allem aber ist „sozial“ komplett deplatziert in diesem Zusammenhang. Denn „sozial“ bedeutet ja, dass es um ein Miteinander geht, um unser Zusammenleben. Wer als „sozial“ bezeichnet wird, ist hilfsbereit oder denkt an die ganze Gesellschaft. „Sozial schwach“ würde also im wörtlichen Sinn bedeuten, dass da jemand die Mitmenschen egal sind. Nur für sich lebt. Nur das eigene Ding macht.

Eigentlich gemeint ist ja aber, dass es um Menschen geht, die nicht viel Geld zur Verfügung haben. Und ich frage mich: Warum sagen wir es nicht einfach genau so: Menschen, die nicht viel oder nicht genügend Geld zu Verfügung haben. „sozial schwach“ sind sie deswegen noch lange nicht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42670
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