SWR Kultur Wort zum Tag

02AUG2025
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Seit Monaten trage ich die Sudoku-Bibel durch die Wohnung. 600 neue Sudokus steht drauf. Stufe 8-10. Also schon knifflig. Sudokus: Das sind diese Logikrätsel, bei denen Quadrate mit Zahlen gefüllt werden müssen. Fast jeden Tag mache ich mal zwischendurch so ein Sudoku. Aber erst vor kurzem bin ich über den Titel gestolpert: Sudoku-Bibel.

Bibel kommt vom altgriechischen biblia, Bücher. Die Bibel versammelt viele kleinere Bücher, Kapitel sozusagen, die den Glauben ausbuchstabieren. Nicht von ungefähr gilt sie vielen auch als Orientierungsmaßstab für ihren eigenen Glauben.

Ein Maßstab? Nicht ganz. Es gibt tausende Bibelausgaben. Die Bibel für Teens und die Eden-Ausgabe, die Lutherbibel von 1912 und die Bibel mit Sonderseiten zum Ausmalen, es gibt Bibeln mit Reißverschluss, Kinderbibeln und sogar eine Comic-Bibel.

Und dann ist der Begriff der Bibel auch aus dem Glauben ausgewandert. Wird für grundlegende, zentrale oder maßgebliche Werke quer durch die ganze Welt verwendet. Es gibt die Trainingsbibel für Radler und selbstverständlich auch eine Anti-Sport Bibel. Es gibt die Rückenschmerz- und die LowCarb-Bibel, die Gourmet-Bibel Italien und die Campingbibel. Nicht zuletzt soll eine Dating-Bibel bei der Partnersuche helfen.

Für Orientierung gibt’s keine Grenzen. Egal ob Glaube oder Motoren, Beziehung oder Familie, Ernährung oder was auch immer. Immer muss ich mich orientieren und bin auf Hilfe angewiesen. Die vielen Bibeln erzählen davon. Und machen den Begriff Bibel so zu einem Markenzeichen. Wenn Bibel draufsteht, dann ist das ein grundlegendes, wichtiges, umfassendes Handbuch. Unter der Hand zeigen alle diese Alltagsbibeln großen Respekt vor dem Standardwerk des Glaubens. Der ‚richtigen‘ Bibel. Die kann man deswegen einfach mal wieder in die Hand nehmen. Und vielleicht hilft die ja bei der Lebensorientierung. Einen Versuch ist das allemal wert.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42662
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