SWR Kultur Wort zum Tag
In diesen Wochen sind viele Menschen in Urlaub. Fahren weit weg oder schalten auf der Terrasse ab, unternehmen kleine Expeditionen vor Ort oder in der Ferne. Lassen es sich gut gehen. Ferien – eine wichtige Zeit. Auch wenn ich schon aus dem Beruf raus bin. Mal ausbrechen aus dem Alltag, anderes sehen, erleben, entdecken. Das tut gut.
Ich gebe zu, ich brauche diese Zeit. Dieses Anders-Sein und Anders-Leben. Den Alltag hinter sich lassen, Zeit für sich, für andere, für schöne Dinge haben. Die Wanderung morgens um fünf Uhr auf einen Berggipfel. Das Bad im See. Langes Frühstück, die Zeit vergessen und das Datum. Einfach den Tag genießen.
Manchmal beschleicht mich da der Eindruck: Das ist das richtige, das gute Leben. Im Urlaub kann ich sein, wie ich eigentlich bin und sein will. Zu Hause, da bin ich viel langweiliger, viel alltäglicher, viel ausrechenbarer, viel angespannter.
Aber ich weiß auch: Dieser Gegensatz zwischen Alltags-Ich und Urlaubs-Ich, den gibt es nur, weil es ein „zu Hause“ und ein „Woanders“ überhaupt gibt.
Es gibt eine biblische Geschichte von der Auszeit, die das auf den Punkt bringt. Eine fantastische Erzählung. Da kommt der Teufel und bringt Jesus auf einen Berg. Der Teufel zeigt Jesus die ganze Welt. Sagt: Das alles kann dir gehören, die ganze Welt mit ihrer Pracht. Doch Jesus hat kein Interesse. Lässt sich von der außeralltäglichen Situation nicht blenden. Seine Kunst des Lebens besteht darin, an seinem Leben festzuhalten – mit allen Höhen und Tiefen.
Mit dem Urlaub ist es ähnlich. Der führt einem ein anderes, neues Leben vor. Ist attraktiv. Und es gibt in der Tat Aussteiger und Auswanderer, die diesem Urlaubsleben folgen. Für die meisten aber gilt: Es braucht beides. Neue Erfahrungen, neue Welten, die ich im Urlaub erlebe. Und das vertraute Umfeld, der Ort, an den ich hingehöre. An dem mein Platz ist.
Jesus wird im Gespräch mit dem Teufel klar, was er will und was nicht. Im Urlaub passiert ähnliches. Der kann mir klarmachen, wer bin ich bin und was ich sein kann. Und so auch wieder mein Leben im Alltag prägen und gestalten. Das ist auch eine Kunst zu leben.
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