SWR Kultur Wort zum Tag

09AUG2025
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„Hoffnungslosigkeit können sich nur diejenigen leisten, die alles haben.“

Diesen Satz hat Pirmin Spiegel gesagt. Er war viele Jahre als Priester in Brasilien tätig und dann als Hauptgeschäftsführer von Misereor, einer weltweit tätigen katholischen Hilfsorganisation. Der Satz hat sich mir eingebrannt.

Es klingt provokant – und ist es auch. Ich fühle mich ertappt: Ich lebe in einer Überflussgesellschaft, die alles hat und doch immer wieder feststellt: Es reicht nicht. Und wenn nichts fehlt, außer Sinn – dann kann sogar Hoffnung überflüssig erscheinen.

Aber stimmt das wirklich? In Westeuropa leben wir in einem System, das von Konsum, Verfügbarkeit und scheinbarer Selbstoptimierung geprägt ist. Wenn alles erreichbar scheint, wird der Mangel zur persönlichen Niederlage. Hoffnungslosigkeit ist dann kein Luxus, sondern im Gegenteil ein ständiger Begleiter.

In vielen Regionen der Welt, besonders im globalen Süden, sagt Pirmin Spiegel, ist Hoffnung hingegen oft das Einzige, was Menschen noch besitzen. Hoffnung auf sauberes Wasser, auf Bildung, auf Frieden, auf eine sichere Bleibe. Und auch: Hoffnung auf Gott. Diese Hoffnung ist Halt und Kraftquelle, ein kostbares Gut, das Menschen leben und überleben lässt. Aller Not und allem Leid zum Trotz.

Ich bin mir nicht sicher, ob sich Hoffnung und Hoffnungslosigkeit so pauschal zuteilen lassen, wie das Zitat es nahelegt. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass auch Menschen, die scheinbar alles haben, Hoffnung brauchen. Dringend sogar.

Denn auch Besitz macht Sinnfragen nicht überflüssig. Erfolg füllt nicht die Seele. Fortschritt ersetzt keine Liebe. Hoffnung ist nicht Luxus, sie ist existenziell – für alle. Gerade in Zeiten, in denen vieles aus den Fugen zu geraten scheint.

Und im Glauben öffnet sich eine Hoffnung, die nicht nur auf morgen oder ein besseres Leben vertröstet, sondern eine Tiefe aufmacht, die mich im Hier und Jetzt trägt. Die Bibel spricht von einer Hoffnung, „die nicht zuschanden werden lässt“ (Röm 5,5). Es ist die Hoffnung, dass Gott gegenwärtig ist – in jeder Krise, jeder Not, jedem Zweifel, jedem Scheitern.

Wer glaubt, hat nicht automatisch weniger Probleme. Aber er hat jemanden, der mitgeht. Der sagt: Fürchte dich nicht. Ich bin bei dir. Diese Hoffnung kann sich jeder leisten.

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