SWR4 Abendgedanken
Ich will Ihnen von zwei Menschen erzählen, die ich bewundere. Die beiden sind im Ruhestand und pflegen mit zwei Ehepaaren im selben Alter seit vielen Jahren eine enge Freundschaft. Vor einiger Zeit ist eine dieser Freundinnen ganz plötzlich gestorben. Das war für den Ehemann ein Schock. Er hatte die Liebe seines Lebens verloren und stand plötzlich alleine da. Aber auch für die Freunde war dieser Verlust ein tiefer Einschnitt. Von einem Moment auf den anderen war vieles nicht mehr so, wie es war.
In solchen Situationen kann es für Hinterbliebene sehr einsam werden. Nachbarn, Bekannte, sogar gute Freunde melden sich nicht mehr. Sie machen das nicht aus böser Absicht, sondern weil ihnen die Worte fehlen und sie nicht so recht wissen, was sie sagen sollen.
Ich verstehe das gut. Was kann ich sagen? Was soll ich sagen, wenn jemand gerade einen geliebten Menschen verloren hat? Wenn die Situation einfach traurig ist, dann fehlen mir die Worte. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich mich deshalb zurückziehen muss.
Ich kann da sein und den Schmerz mit aushalten. Das ist nicht leicht. Aber es hilft so unglaublich viel.
Genau das habe ich in der Notfallseelsorge erlebt. Auch wenn ich kaum etwas gesagt habe, bedanken sich Angehörige, einfach weil ich geblieben bin und ihnen das gut getan hat. Manchmal zählt Anwesenheit mehr, als jedes gesprochene Wort.
Bei den beiden Menschen, die ich so bewundere, war das auch so. Sie haben sich nicht zurückgezogen. Sie sind Freunde geblieben und haben den Verlust miteinander ausgehalten und sie tun es bis heute. Sie unterstützen einander im Alltag. Sie besuchen sich. Sie laden sich zum Essen ein. Wenn nötig, begleiten sie einander zum Arzt. Und das alles schon seit einigen Jahren. Ich bewundere die beiden für ihren Mut. Den braucht es, um sich einer traurigen Situation zu stellen und sie mit anderen auszuhalten. Ich will mich bei den beiden heute bedanken. Danke, Mama und Papa, dass ihr mir das vorlebt.
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