Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

24JUL2025
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Ich erinnere mich an meine beste Freundin aus der Grundschule: Magda. Sie wohnte schräg gegenüber, wir haben uns jeden Morgen vor dem Haus getroffen und sind zusammen in die Schule gelaufen. Ihre Familie kam aus Kroatien – damals noch Jugoslawien. Mit ihren Eltern sprach sie eine andere Sprache. Das klang für mich fremd, aber war eben so. Für uns Kinder zählte das nicht. Wir waren einfach zusammen unterwegs – morgens im Klassenzimmer, nachmittags draußen beim Spielen. Alles andere war Nebensache.

Magda war nicht die Einzige. Da waren auch Kinder aus Polen und aus Ungarn. Es war bunt – das hat uns nicht gestört. Unser Miteinander war echt toll. Wir haben zusammen gelesen, gerechnet, gelacht. Beim Klassenfest haben wir uns gegenseitig bei den Spielen angefeuert. Unsere Lehrerin hat dafür alles gegeben: Es gab Projekte, Ausflüge, ein Maskottchen. Ich erinnere mich einfach an dieses Gefühl: Wir sind eine Gruppe. Und jede, jeder ist wichtig.

Wenn ich höre, dass heute in Schulklassen eine „Obergrenze“ für Kinder mit Migrationsgeschichte diskutiert wird, denke ich an damals. Ich sehe, dass vieles nicht rund läuft – und dass Schulen oft mehr Hilfe bräuchten, um gute Arbeit zu leisten.

Aber was passiert, wenn wir anfangen zu zählen? Wenn wichtiger wird, woher wir kommen, als das, was wir zusammen stemmen?

Eine gute Gemeinschaft lebt nicht davon, dass alle gleich sind. Sondern davon, dass wir es gemeinsam hinkriegen.

Ja, Sprache ist wichtig. Und natürlich sollen Kinder gut sprechen können, wenn sie in die Schule kommen. Dafür braucht es Zeit und Menschen, die sich kümmern, schon im Kindergarten. Es braucht gute Strukturen, Personal und den Willen, Geld in die Hand zu nehmen. 

Wer über Probleme in der Schule spricht, darf nicht nur auf die Kinder schauen. Lehrerinnen und Lehrer arbeiten oft bis an ihre Grenzen. Viele Klassen müssen ohne ausreichend Material oder Klassenräume lernen. Wenn wir darauf nicht schauen, dann entsteht schnell ein falscher Eindruck: Als seien Kinder das Problem.

In der Bibel steht, dass Gott nicht auf das Äußere schaut – sondern aufs Herz (1 Sam 16,7). Für mich heißt das: Er sieht, was in einem Menschen steckt. Nicht nur, woher jemand kommt. Sondern, was er braucht. Und was er werden kann.

In jedem Kind steckt so viel, das entdeckt werden will. Und Kinder sind auf uns angewiesen, dass wir ihnen etwas zutrauen. Sie sind unsere Zukunft. In sie zu investieren heißt, an morgen zu glauben.

Für mich verdient jedes Kind einen guten Start. Es macht einen Unterschied, ob wir Kinder begrenzen, oder ob wir sie fördern.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42596
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