Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

23JUL2025
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Es ist ein ganz normaler Tag. Ich hetze zur Kita, das Handy klingelt, jemand will was – und dann merke ich: Da klebt was an meinem Schuh. Ein Kaugummi. Richtig fest. Ich bleibe stehen, schimpfe leise. Und muss lachen. Weil das einfach typisch ist: Wenn sowieso schon alles zu viel ist, kommt so was.

Der Kaugummi am Schuh wird zum Bild. Für das, was kleben bleibt. Für den Ärger, der mich nicht loslässt. Für die Sätze, die ich nicht mehr hören will. Für die Gedanken, die nicht aufhören zu kreisen. Ich versuche, weiterzugehen – aber irgendwas zieht mich zurück. Klebt fest.

Ich frage mich: Was ist gerade mein „persönlicher Kaugummi“? Manchmal plagt mich der Druck, allen gerecht werden zu müssen. Ich mach’ mir Sorgen, um einen Menschen, den ich liebe. Ich fühle mich manchmal nicht genug.

Ich glaube, wir alle haben solche Dinge. Die sich festsetzen und die uns behindern. Und die doch zu uns gehören.

Dazu passt eine Geschichte aus der Bibel. Da kommt jemand zu Jesus, der blind ist. Und Jesus fragt ihn: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ (Mk 10,51). Eine komische Frage – ist doch klar, was der will. Aber vielleicht ist das der Punkt. Dass wir es aussprechen. Uns selbst ehrlich machen. Was klebt gerade an mir? Was hindert mich? Was brauche oder worauf hoffe ich?

Glauben heißt nicht: Alles ist sofort wieder gut. Aber an Gott zu glauben, hilft mir, ehrlich hinzuschauen – weil ich weiß: Ich muss nicht perfekt sein. Ich darf sagen, was mich belastet. Gott kennt mich sowieso und wenn ich’s ihm sage – oder einem anderen Menschen – dann kann sich was verändern.

Vielleicht nicht sofort, aber ich verliere nicht gleich den Mut. Und manchmal – wie bei dem Kaugummi – hilft es schon, kurz stehenzubleiben, es zu sehen und dann zu entscheiden: Ich gehe trotzdem weiter.

Ich schnappe mir an dem Tag ein Stöckchen, kratze das Ding ab. Ganz weg ist er nicht, aber es reicht zum Weitergehen. Der Tag ist nicht verloren.

Manche Lasten lassen sich nicht einfach abschütteln. Aber ich kann entscheiden, ob ich stehen bleibe oder weitergehe. Ob ich sie verbergen will oder drüber spreche, mit Gott oder mit einem Menschen. Manchmal hilft schon das: Zu sagen, was klebt.

Und so ein klebriger Kaugummi an meinem Schuh, der kann genau das tun: mich zum Nachdenken bringen. Und mir zeigen, dass das Leben nicht perfekt sein muss, um gut zu sein.

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