Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Ich war im Schwimmbad. Da ist dieses große Becken mit der Riesenrutsche am Rand: zwei Kurven, ein Kreisel – und zum Schluss der gerade Fall ins Wasser. Eigentlich wollte ich nur schwimmen. Aber als ich zur Rutsche hinschaue, will ich da runter. Ich klettere die Stufen hoch, bereit für dieses vertraute Kribbeln im Bauch.
Oben angekommen, warte ich kurz. Das Wasser sprudelt aus der Öffnung und ich erinnere mich, wie ich neun Jahre war und nicht mehr aufhören konnte zu rutschen. Alles wirkt vertraut. Ich lege mich in die Startposition – und lasse los.
Das Wasser rauscht an mir vorbei, mein Puls steigt. Ich sause durch die Kurven, spüre, wie die Schwerkraft zieht, und lasse mich mitreißen. Alles fühlt sich leicht an. Ich lasse los – und trotzdem gehe ich nicht unter, es hält mich etwas. Ich spüre nicht nur das Wasser unter mir und die Bahn, die mir Richtung gibt. Da ist auch dieses leise Wissen: Ich bin nicht allein unterwegs. Ich bin getragen – von etwas, das ich nicht greifen kann, aber dem ich vertraue.
Wie viel Vertrauen steckt eigentlich in so einer Rutschpartie? Ich verlasse mich darauf, dass alles hält. Dass ich unten ankomme. Dass andere für meine Sicherheit gesorgt haben. Und ich tue das ganz selbstverständlich – ohne langes Grübeln.
Ich steige in den Bus und vertraue, dass der Fahrer mich sicher ans Ziel bringt. Ich lasse mein Kind im Kindergarten – und vertraue, dass es dort gut aufgehoben ist.
Allerdings ist Vertrauen nicht immer einfach. Das ist die andere Seite, die ich auch an mir kenne. Wenn ich mich frage, ob ich wirklich sagen kann, was ich denke. Ich hoffe, dass der andere mich versteht, auch ohne viele Worte. Ich kann nicht alles kontrollieren und bin auf andere angewiesen.
Vermutlich fällt mir Vertrauen gerade dort schwer, wo ich mich selbst einbringe. Wo ich verletzlich bin. Ich vertraue und gebe Kontrolle ab. Ich zeige: Ich kann das nicht alles allein.
Genau das ist für mich Glaube: sich dem Leben anvertrauen. Darauf hoffen, dass mich etwas trägt – auch wenn ich es nicht erklären kann.
Und da beginnt auch Vertrauen zwischen uns Menschen: Wenn wir einander etwas zutrauen. Wenn wir loslassen, Kontrolle abgeben – und glauben, das wird schon.
Weil wir nicht allein unterwegs sind. Menschen tragen uns. Und Gott tut es auch. Wie auf der Rutsche: Ich habe mich hingelegt, losgelassen, nicht alles kontrolliert – und ich fühle mich gehalten.
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