Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

26JUL2025
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Der Ehrliche sei doch der Dumme. So heißt es oft. Gemeint ist meistens: Wer sich anständig verhält, auf Gesetze und Regeln achtet, kann einpacken. Die, denen das völlig schnuppe ist. Die sich rücksichtslos über Regeln hinwegsetzen, sind im Vorteil. Stimmt leider! Viel zu oft. Denn wer ehrlich bleibt, Rücksicht nimmt, auf andere achtet, wirkt dagegen oft naiv und schwach. Wie ein Loser.

Ich fürchte, als Christ haftet mir dieses Etikett auch an. Es ist ja kein Zufall, dass Christinnen und Christen oft als „Gutmenschen“ belächelt werden. Sicher, schon nett, was die so tun. Wie sie sich um die Verlierer der Gesellschaft kümmern. In Beratungsstellen oder Obdachlosentreffs. In Pflegeheimen oder Anlaufstellen für Drogenjunkies. Für die schnelle, harte Ellenbogen-Welt aber sind sie selten zu gebrauchen. Einfach zu harmlos, zu emotional.

Es stimmt schon: Wer sich korrekt verhält, beschränkt sich oft freiwillig. Dann stecke ich etwa das zu viel gezahlte Rückgeld nicht einfach ein. Ich gebe es der Kassiererin zurück. Dann lasse ich eigene Arbeit auch mal liegen, weil eine Kollegin meine Hilfe braucht. Weil Achtung und Rücksichtnahme auf andere eben kein Gutmenschen-Gedöns sind, sondern nötig, wenn es menschlich zugehen soll unter uns. Und weil sonst das Recht der Stärkeren und Rücksichtslosen gilt. Das will ich nicht. Und ich bin mir sicher, die meisten, ob sie an Gott glauben oder nicht, wollen das auch nicht. Die Bibel spricht auch vom Sauerteig, bei dem schon ein kleines Stückchen davon ausreicht, um einen riesigen Berg Teig zu durchsäuern. Vielleicht können Christinnen und Christen genau sowas sein für eine Gesellschaft. Ein Sauerteig, der sie positiv durchdringt. Zusammen mit allen, denen Rücksicht und Ehrlichkeit wichtig sind. Damit die Ehrlichen nicht die Dummen bleiben, sondern die sind, die es lebenswert machen für alle.

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