Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

23JUL2025
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Mein Gesprächspartner entschuldigt sich. Er müsse mal schnell ans Handy. Könnte wichtig sein. Nach ein paar Minuten kommt er zurück, sichtlich genervt. „Hoffentlich nichts Unangenehmes“, sage ich. „Nein, nein“, meint er, „aber das endlose Gerede in diesen Sprachnachrichten – echt die Pest. Eine kurze E-Mail hätte ausgereicht.“

Als wir uns verabschiedet haben, denke ich: Wahrscheinlich hat er recht. Manchmal kommt mir das auch so vor, als ob noch nie so viel geredet worden wäre wie heute. Aber wird auch wirklich mehr gesagt? Sicher, ich rede jetzt auch hier im Radio. Aber Radio funktioniert halt nur durchs gesprochene Wort. Seit über 100 Jahren schon. Mittlerweile aber kommen jeden Tag neue Podcasts dazu. Die besagten Sprachnachrichten. Und dank Mobilfunk die Möglichkeit, fast immer und überall auf der Welt endlos zu quasseln.

Als Student hab ich mich noch in Telefonzellen rumgedrückt, wenn ich jemand anrufen wollte. Lange ist's her und schön war das nicht. Aber genau auf Augenhöhe hing in jedem dieser gelben Häuschen der magische Satz: Fasse dich kurz. Sollte heißen: Nun mach, andere wollen auch mal. Natürlich haben sich schon damals nicht alle dran gehalten, auch wenn die Schlange vor der Zelle immer länger wurde. Die Botschaft hinter dem kleinen Satz aber gilt im Grunde noch heute: Überleg dir, was du sagen willst. Was wichtig und wesentlich ist. Denk vielleicht erst mal nach, bevor du wild drauflos schwadronierst. Und was das Sprechen mit Gott angeht, hat die Bibel sogar einen Tipp parat: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern. Bei manchem Endlostelefonat, das ich unfreiwillig im Zug mit anhören muss, denke ich dann schon mal: Die Bibel hat Recht. Nicht nur beim Beten.

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