SWR1 Begegnungen

20JUL2025
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Renata Stark

Anne Waßmann-Böhm trifft Renata Stark

Sie organisiert die diesjährige Mima in Ingelheim. „Mima“ steht für „Mitmachausstellung“. Kinder, Jugendliche, Schulklassen und Familien sind eingeladen, ein Thema interaktiv zu verstehen durch Anfassen, Mitmachen und Staunen. In den 20 Jahren, in denen es die Mitmachausstellung schon gibt, ging es um Themen wie Licht, Luft, Seifenblasen und optische Täuschungen. In diesem Jahr lautet ihr Titel: „Erzähl mir was vom Tod…“. Ein Thema, auf das das Publikum zuerst mit Zurückhaltung reagiert hat, wie mir Renata Stark erzählt:

Es ist tatsächlich so, dass wir auch so ein bisschen diese Stimmen hören: Wie kann man sowas den Kindern zeigen. Die Buchungen waren am Anfang etwas verhalten, aber jetzt, wenn eine Klasse da war, dann merken wir, dass von dieser Schule gleich weitere Anmeldungen kommen.

Renata Stark findet, dass man gerade das tun sollte:  Kindern das Thema Tod nahebringen:

Ich finde das Thema sehr, sehr wichtig und das Thema Tod wird nicht mehr so präsent, weil die Menschen sterben in Krankenhäusern oder im Hospiz und nicht mehr zu Hause, wie früher. Meine Oma ist zum Beispiel noch zu Hause verstorben, meine Mama hat sie auch begleitet und gepflegt und das wird jetzt immer weniger und deswegen haben wir das nicht mehr zu Hause und insbesondere Kinder haben damit immer weniger Berührung.

Zusammen mit ihrer Kollegin, Stefanie Firyn, leitet Renata Stark die Ausstellung und bietet mit ihrem Team Führungen für Schulklassen oder Familien an. Und sie ist sehr berührt von den Reaktionen:

Ich fand es persönlich sehr rührend, ein Gespräch mit einer Mama, die eine Klasse begleitet hat. Und die hat zu mir gesagt: Ich finde das sehr gut, dass das gemacht wird. Weil ihre eigene Mama ist verstorben, als sie ein kleines Mädchen war. Niemand konnte ihr bei dieser Trauer helfen. Und sie hat gesagt, ich bin heute hier mit meiner Tochter, um mit ihr darüber zu sprechen. Und ich glaube, das ist auch das, was wir erreichen wollen in dieser Ausstellung, dass wir die Ängste nehmen und versuchen, über Tod zu sprechen, als etwas, was zum Leben dazugehört und das Enttabuisieren, dass man etwas offener darüber spricht.

Auch mich hat Renata Stark durch die Ausstellung geführt. Am Eingang drückt mir Renata Stark eine Art Reisepass in die Hand. Und da hineinbekomme ich dann ein Visum gestempelt für meine Reise ins Jenseits. Warum?

Wir wissen, wenn man ein Visum hat, ist die Reise begrenzt, weil man muss innerhalb des Visums zurückkommen und deswegen ist es einfach ein Spiel, wie wir die Kinder dabei begleiten, ins Jenseits zu reisen, mit einer Rückkehrgarantie und das zeigt dieses Visum.

Und welche Stationen mich zum Beispiel erwarten, das erzählt sie mir auch:

Da gibt es zum Beispiel einen Raum, in dem wir uns mitBestattungen beschäftigen, da steht ein Sarg. Da sind Urnen. Da sind Anzeigen. Das ist ein Raum, der sehr, sehr nachdenklich ist.Da kann man sich auch in einen Sarg reinlegen, wer möchte, kann man eine Anzeige schreiben. Aber dann haben wir Räume, wo wir darstellen, wie andere Kulturen mit dem Tod umgehen. Das sind die Ägypter, aber da sind auch die Mexikaner, die ein Fest feiern. Und das ist ein sehr bunter, lustiger Raum und da ist auch lustige Musik.

Ich frage Renata Stark, welcher Raum ihr Lieblingsraum in der Ausstellung ist.

Ich glaube, ein Raum, der auf mich den meisten Eindruck gemacht hat, ist der Paradiesgarten. Und zwar ist das genau der Raum, der dieses Jenseits darstellen soll. Und wenn man da reinkommt, ist es einfach sehr, sehr hell. Und wir haben so fast das Gefühl, wir sind kurz „drüben“, wenn ich das so sagen kann.

Und „Drüben“, in diesem Paradiesgarten-Raum darf jeder seine Hoffnung aufschreiben, was nach dem Tod passiert. Renata Stark liest mir einen dieser Hoffnungszettel vor:

„Ich treffe dort auch meine Oma oder einen Opa und wir können uns die Geschichten, die in der Zeit, seitdem er weg ist, nochmal erzählen.“

In der Mitmachausstellung „Erzähl mir was vom Tod“ gibt es für die Besucherinnen und Besucher im Atelierbereich die Möglichkeit, sich kreativ mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen. Renata Stark zeigt mir das Werk eines Fünftklässlers - knallbunt und farbenfroh:

Und er hat zu uns gesagt, ich weiß, dass wir alle irgendwann mal gehen, aber wir sollen die Zeit nutzen, jetzt!Weil die Erde ist toll und wir sollen uns jetzt hier liebhaben.Also es war wirklich rührend, was das Kind, nachdem er durch diese Ausstellung durchgegangen ist und sich mit dem Tod beschäftigt hat, kam er da zu dem Punkt: wir sollten eigentlich unser Leben nutzen. Das fand ich schön.

Alle Stationen der Ausstellung habe ich jetzt mit meinem Reisepass durchlaufen. Besonders der Paradiesgarten mit den Hoffnungszetteln wird mich sicher noch lange beschäftigen. Zum Schluss frage ich deshalb meine Reiseleiterin, Renata Stark, was wohl auf ihrem Hoffnungszettel steht?

Ich habe in der Tat meinen Zettel noch nicht geschrieben. Aber ich werde es auf jeden Fall noch machen und ich würdeschreiben: Ich hoffe, dass wir im Paradies den Menschen begegnen, die wir vermissen und dass wir dort eine Zeit verbringen können, ohne die Sorgen, die wir hier unten haben.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42583
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