Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

31JUL2025
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Die stille Revolution – diesen Titel verwenden Zeitungen und Magazine häufig für Artikel, die Trends oder Veränderungen auswerten. Eine stille Revolution ist auf dem Vormarsch oder so ähnlich heißt es dann auf der Titelseite. Dieser Begriff „Stille Revolution“ hat es mir seitdem angetan. Kann es eine stille Revolution geben? Ich glaube nicht, wenn es um kurze Zeiträume und Menschen geht – Revolutionen werden immer laut. Aber häufig wird dieser Begriff ja auch verwendet für gesellschaftliche Veränderungen, die nach und nach geschehen und wenn man dann zwanzig oder dreißig Jahre zurückschaut, sieht die Welt ganz anders aus.

Durften früher Frauen nur mit Zustimmung Ihrer Ehemänner arbeiten, so ist das heute keine Frage mehr. War früher die absolute Mehrheit der deutschen Bevölkerung Mitglied der römisch-katholischen oder evangelischen Kirche ist es heute nicht mehr die Hälfte. Das sind alles Prozesse, die leise und still starten und dann im Rückblick große Veränderungen bringen – mal gute und mal schlechte. Prophetische Augen merken es manchmal im Prozess – im Fortgang der stillen Revolution und warnen – aber die meisten sehen es erst im Rückblick. Dabei ist mir zum Lebensmotto geworden, nicht zu zurückzublicken und zu denken oder sagen: „Hätten wir doch!“ – oder: „Welch ein Fehler!“. Ich möchte lieber darauf schauen, wie wir jetzt weiter vorankommen oder was wir in der Welt bewegen können. Der Blick zurück hemmt dabei, die nächste stille Revolution zu planen und anzugehen. In Bezug auf die Kirchen sollten wir uns fragen, warum die Menschen gehen? Und: Was sie suchen und brauchen, um sich in der Kirche willkommen und geborgen zu fühlen. Aber das ist keine Aufgabe von wenigen – denn die stille Revolution kennt keine Anführerinnen und Anführer.  Es ist die Aufgabe von allen, denen das wichtig ist. Es ist die Aufgabe von Ihnen und von mir.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42580
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