SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

27JUL2025
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Es schreit – ganz laut. Ich sitze im Bus und vor mir eine Mutter mit Baby. Und das Baby schreit und hört einfach nicht auf. Laut, intensiv, schrill. Meine Reaktion in solchen Situationen kann sehr unterschiedlich ausfallen: Mal bin ich total genervt und denke: Kann denn Niemand dieses Kind still bekommen? Manchmal bricht es mir fast das Herz und ich denke an die durchwachten Nächte und die Not, die ich bei meinen kleinen Kindern meinte wahrzunehmen, wenn sie schrien.

Schreien: Das geht ja auch ganz unterschiedlich: Aus Wut, Enttäuschung, Langweile – aber auch weil Hunger oder Durst zu schaffen machen. Gerade der Hungerschrei ist laut, quälend, herzzerreißend. Er zerreißt jede Stille und schafft sich Raum, man spürt den Kampf um die Existenz, um das Dasein – um das Leben. Und dann – dann wenn die Mutterbrust kommt oder das Fläschchen gegeben wird, wenn das Grundbedürfnis nach Nahrung gestillt wird – dann wird es still. Es entsteht eine wohlige Stille. Vielleicht gefüllt mit etwas Schmatzen. Sicher gefüllt mit Zufriedenheit.

Diese Stille ist eine satte, zufriedene und befriedigende Stille. Hier bekommt ein Mensch, was er braucht, um zu leben. Nicht umsonst heißt das Verb „stillen“ – eine Mutter stillt ihr Kind, ein Vater füttert sein Kind mit dem Fläschchen und es kommt zur Stille – das Kind wird gestillt. Diese satte, zufriedene Stille, ist eine Stille, die ich spüren kann. Es ist eine Stille der Zufriedenheit und Geborgenheit. Eine Stille, nach der ich mich sehne. Diese Stille erlebe ich noch heute, in den Momenten, wenn ich ganz bei mir bin, wenn ich eins bin mit Gott und der Welt. Wenn Gott mich mit seiner Schöpfung stillt, satt und zufrieden macht. Ich wünsche Ihnen auch, dass Sie solche Momente erleben dürfen: Momente der gestillten Sehnsucht. Stille Momente der Zufriedenheit, wenn Sie mit Gott und der Welt eins sind.

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