SWR3 Gedanken
Kinder erstürmen die Kirche. Ich selbst liebe es, Kirchen zu erkunden. Überall Geheimnisse, Geschichte und Geschichten. Diese Idee will ich ihnen eröffnen. Sie dürfen fast überall hin und rennen los, auf die Kanzel, zur Orgel, an das große Holzkreuz, auf die Empore. Ihren Lieblingsplatz in der Kirche sollen sie sich suchen. Dann sagen sie, warum sie da sind. Die auf der Empore waren da noch nie, finden es cool den Überblick zu haben. Die an der Orgel lieben Musik. Die auf der Kanzel wollten vor allem ins Mikro sprechen. Eine wollte auch mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, da wo immer der Pfarrer oder die Pfarrerin sprechen. Einer steht an unserem riesigen Holzkreuz und meint „das erinnert mich an Jesus, an alles, was er für uns getan hat.“ Das rührt mich an. Dann dürfen die Kinder weiter erkunden. Wann ist die Kirche gebaut? Wie oft zerstört? Wir rechnen. Das erste Mal hat es von der Einweihung bis zur Zerstörung kein halbes Jahr gebraucht. „Verrückt! Alles, weil die Leute immer Kriege machen!“
„Wie zerstört man eine Kirche?“ Immer anders: Kanonen, Feuer, Granaten, Bomben. Besonders fasziniert die Kinder eine Gruft mit einem Sarg drin. Da dürfen sie nicht hinein; sie ist wegen eines Wasserschadens gesperrt. Dann liegen die Kinder auf dem Boden der Kirche. Da gibt es ein Rätsel zu lüften. Buchstaben so langgezogen, dass sie aussehen wie Barcodes. Sie entziffern einzelne Worte: Licht, Engel, Geister, Schwert, Jesus. „Das kommt aus der Bibel“, brüllt einer. Eine andere hat die ersten Worte entziffert: ‚Dies ist die Offenbarung Jesu Christi.‘ Das letzte Buch der Bibel versteckt in verfremdeten Buchstaben, so dass man sich auf den Boden legen muss, um es lesen zu können. Geheimnisse und Rätsel, Geschichte und Geschichten. Ich liebe es, mit Kindern Kirchen zu erkunden.
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