SWR3 Gedanken

23JUL2025
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Ich war in Irland und sehr erstaunt. Mein Staunen beginnt auf der Toilette. Toiletten in Irland an der Uni, in Cafés, in Kneipen und in Kaufhäusern sind ausgestattet mit Stickern und Flyern.

Da geht es um Übergriffe, um sexuelle Gewalt. Überall zu finden: eine Notrufnummer. Manchmal ein Satz, den du dem Barmann zuflüstern kannst, wenn du Angst hast, dir könnte jemand K.o.-Tropfen verabreicht haben. Also frage ich nach. Luba, eine Studentin, erklärt:

In Irland haben die Missbrauchsfälle der katholischen Kirche die öffentliche Meinung geprägt und verändert. Bereits in den 90er Jahren gab es einen Prozess gegen einen Priester, der über 40 Jahre Kinder sexuell missbraucht und vergewaltigt hat. Überall wurden daraufhin Studien in Auftrag gegeben, überall dasselbe Ergebnis: In den Kirchen haben Priester und auch Nonnen ihre Macht missbraucht, Kindern sexuelle Gewalt zugefügt, körperliche und seelische Gewalt ausgeübt. Die Ergebnisse haben das ganze Land verändert. Die Kirche ist in eine tiefe Krise geraten. In Irland hat die katholische Kirche darum schon 1996 entschieden, jeden Priester, der auffällig wurde, der weltlichen Justiz zu melden. Dafür wurde die Katholische Kirche in Irland vom Vatikan gerügt. Bis heute ist das anderswo auf der Welt in den Kirchen nicht selbstverständlich, dass alle auffällig gewordenen Angestellten der weltlichen Justiz gemeldet werden.

Für mich bleibt als tiefer Eindruck diese Aufmerksamkeit, die Selbstverständlichkeit: du kannst nicht darüber hinwegsehen. Überall kann es sexuelle Gewalt geben. Alle können davon betroffen sein. Und wenn es passiert oder auch nur zu passieren droht, dann ist es wichtig zu wissen, was tun, wohin eine und einer sich wenden kann. Am besten auf dem Handy eine Telefonnummer, Mädchen- und Frauennotruf, die Polizei, wen auch immer. Hauptsache nicht schweigen und Hilfe suchen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42572
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