SWR Kultur Wort zum Tag

22JUL2025
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Ein oft unterschätztes Organ ist - die Zunge. Dabei leistet die Zunge lebensnotwendige Dienste. Beim Sprechen und Singen, beim Schmecken und Schlucken. Auch im übertragenen Sinn. Ich kann mir leicht „die Zunge verbrennen“, wenn ich nicht Acht gebe auf meine Worte. Oder umgekehrt: wenn ich jemand anderen überzeugen will, dann versuche ich, „mit Engelszungen“ zu reden.

In der Bibel wird diese Wertschätzung deutlich: die Zunge bildet sozusagen die Brücke zwischen dem Denken und Handeln eines Menschen. Ja, sogar Leben und Tod hängen zuweilen davon ab, was einem über die Zunge kommt.

Daran musste ich neulich denken, als eine große Zeitung die Verrohung der Sprache beklagt hat. Nicht nur im Kleinen, sondern auch im Großen sei diese Verrohung zu beobachten. „Der Sound von Gangstern erobert die Politik“, hieß es in dem Artikel. Und diese Verrohung der Sprache zeige sich nicht nur hierzulande, sondern auch in den internationalen Beziehungen.

Als Beispiele wurden angeführt: Wenn der Präsident eines Staates davon spricht, der Repräsentant eines anderen Staates müsse ausgeschaltet werden. Wenn Krieg als Drecksarbeit bezeichnet wird, die schließlich einer machen müsse. Und die Wortwahl vergessen macht, dass es immer Menschen sind, die sterben.

Worte, die ich wähle, können zur Waffe werden. Zur Legitimation, um andere einzuschüchtern und zu bedrohen. Worte können Konflikte und Kriege auslösen.

Darum beschäftigen sich die Autoren der Bibel immer wieder mit der Zunge und dem, was sie an Gutem oder Schlechten hervorbringt.

„Hüte dich, dass du nicht ausgleitest und deine Zunge dich nicht zu Fall bringt“, lese ich an einer Stelle. Und: „Lege deine Worte auf die Goldwaage!“

„Auf die Goldwaage!“ Das ist eine Formulierung, die sogar in unseren modernen Sprachschatz eingegangen ist. Ob es die Sache auch ist, die damit gemeint ist, da habe ich meine Zweifel. Was unserer Kommunikation aber sicher guttäte: ein maßvolles Bedenken und Abwägen dessen, was uns da über die Zunge kommt. Denn wie heißt es so treffend: „Achte auf Deine Gedanken, sie werden deine Worte! Achte auf Deine Worte, sie werden deine Handlungen!“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42558
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