SWR4 Abendgedanken

17JUL2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Kuno ist tot. Mein Hund, der dreizehn Jahre an meiner Seite war. Viele fragen, ob das „ein gutes Alter“ ist. Nun ja, Airedale-Terrier, das ist seine Rasse, werden im Durchschnitt so zehn, zwölf Jahre alt. Ob es gut war, Kunos Alter, mit 13? Ich weiß eher, dass er gut und gerne noch eine Weile hätte bei mir bleiben können. Und ich jetzt sehr traurig bin, dass das nicht mehr so ist.

Kuno war am Ende ein alter Hund. Ich habe schon längst bemerkt, dass er sich auf den Weg gemacht hatte zu sterben. Er hat fast nichts mehr gehört. Früher stand er an der Tür, wenn ich heimgekommen bin. Zuletzt ist er erst aufgeschreckt, als er meine Schritte neben seinem Körbchen gespürt hat. Aber dann hat er sich gefreut, mit dem Schwanz gewedelt, wie Hunde das machen, wenn sie den Menschen wieder haben, der zu ihrem Rudel gehört. War er früher beim Gassi-Gehen immer vorne, musste ich in den letzten Monaten oft lange warten, bis er alles erledigt hatte, was ihm wichtig war unterwegs. Als er schließlich in seiner letzten Woche nichts gegessen und getrunken hat, hab ich gewusst: Jetzt ist es so weit. Und es hat mir schier das Herz zerrissen.

Kuno ist bei mir zu Hause gestorben. Die Tierärztin kam zu uns. Dafür bin ich ihr so dankbar. Wir haben ihn in sein Bettchen gelegt und eine Kerze bei ihm angezündet. Am anderen Morgen haben wir ihn in ein Leinentuch eingewickelt und im Garten beerdigt. Wie wir das schon lange geplant hatten. (Das darf man, wenn man einige Dinge beachtet.) Unser Nachbar hat geholfen und die ganze Familie mit vier Kindern war dabei, hat Blumen ins Grab gelegt und mitgetrauert. Das war sehr, sehr schön und für mich unheimlich wichtig.

Kuno war dreizehn Jahre lang an meiner Seite. So gut wie jeden Tag und überall: im Urlaub, im Restaurant, bei Freunden, zuhause sowieso. Nachts lag er an meiner Seite neben dem Bett. Wir hatten feste Rituale, die ich nun vermisse. Um so wichtiger ist mir sein Grab. Ich gehe jeden Tag hin und denke an ihn. Nur kurz, aber heftig. Wenn Freunde uns besuchen, Menschen, die ihn kannten, machen wir auch einen Besuch an seinem Grab. Das hilft mir, ihn nicht zu vergessen und Stück für Stück zu akzeptieren, wie es ist.

Hundebesitzer sprechen oft von der Regenbogenbrücke, über die ein Hund geht, wenn er stirbt. Das ist nicht mein Bild, aber es ist in Ordnung. Ich denke mir nur eines: Wenn Gott mir die Gnade gewährt, in den Himmel zu kommen, dann wünsche ich mir, dort mit meinem Kuno verbunden zu sein. Weil ich mit ihm zu Lebzeiten so verbunden war wie mit nicht vielem auf dieser Welt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42545
weiterlesen...