Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Als Kind habe ich im Sommer mit meinen Eltern und Brüdern einmal einen wunderschönen Sternenhimmel gesehen. Wir hatten uns nachts im Garten auf die Picknickdecke gelegt und die Sterne angeschaut. Das war in einer ziemlich abgelegenen Gegend, in der es nachts richtig dunkel wurde.
Es war ein sehr schönes Gefühl, im Dunkeln diese kleinen Lichter zu sehen. Sie sind ja immer da, aber an diesem Abend habe ich sie ganz bewusst wahrgenommen.
Seitdem nehme ich mir immer wieder mal vor, den Sternenhimmel anzuschauen. Aber dann bin ich doch wieder zu müde. Ich müsste wahrscheinlich auch ein Stück rausfahren. Denn von unserem Garten aus sieht man nur einen kleinen Ausschnitt vom Himmel.
Und dann ist da noch die Lichtverschmutzung: das künstliche Licht in unseren Städten, das dafür sorgt, dass es eigentlich gar nicht mehr so richtig dunkel wird. Leuchtreklame, Straßenverkehr und die Betriebe, in denen rund um die Uhr gearbeitet wird. Deshalb ist es in vielen Regionen nachts zu hell, um den Sternenhimmel gut zu sehen.
Wenn es immer hell ist, und die künstlichen Lichter so stark scheinen, dann ist es schwer, die besonderen Lichter zu entdecken.
In der Bibel geht es oft um Licht. Und zwar um besonderes Licht. Einmal heißt es: „Ihr strahlt als helle Lichter in der Welt.“ (Phil 2)
Ich finde, es ist eine schöne Idee, Menschen mit einem besonderen Licht zu vergleichen. Es gibt so viele Menschen, die sich für etwas Gutes einsetzen, die für andere da sind, die anderen Mut machen, einfach weil sie etwas von ihrer Liebe, ihrem Vertrauen und ihrer Hoffnung weitergeben.
Solche Menschen sind wie Sterne am Himmel. Es gibt so viele. Sie sind immer da. Aber ich sehe sie nicht immer. Weil ich ja nur einen kleinen Ausschnitt der Welt wahrnehme. Und wegen der Lichtverschmutzung: weil es so viel Anderes, Grelles in der Welt gibt, das diese besonderen Lichter überdeckt.
Ein besonderes Licht ist überall da, wo wir Menschen füreinander da sind. Wir leuchten einzeln oder tun uns zu Sternbildern zusammen, und je mehr wir sind, desto heller können wir füreinander strahlen.
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