SWR3 Gedanken
Dass alles Mögliche einen ökologischen Fuß-Abdruck hinterlässt, weiß ich längst. Sneakers, Jeans, Obst von weit weg… Aber jetzt hab ich neu begriffen, dass auch alles, was ich online an Infos aus dem Netz ziehe, einen heftigen Hintergrund haben kann. Denn auch alles Digitale kostet Ressourcen – und nicht nur Strom.
Hinter jeder KI zum Beispiel können sich üble Strukturen verstecken: ausbeuterische Arbeitgeber oder Menschen, die bei ihrer Arbeit leiden. ChatGPT, gemini und DeepSeek funktionieren nur, weil sogenannte Datenarbeiter in Kenia oder auf den Philippinen Übermenschliches leisten. Sie bringen mit menschlicher Intelligenz den Computern die künstliche bei.
Rachel aus Nairobi zum Beispiel. Sie ist so eine Daten- oder Klickarbeiterin. Sie arbeitet für ein KI-Subunternehmen, ohne Vertrag und mit wahnsinnig hohen Zielvorgaben. Wenn sie ihre 100 Videos am Tag nicht schafft, gibt es Druck. Dann wird Rachel einbestellt und ihr wird mit Kündigung gedroht. Also strengt sich Rachel immer mehr an, füttert ihren Laptop täglich bis tief in die Nacht mit Daten.
Es ist verrückt: damit eine KI Texte schreiben kann, müssen Menschen endlos Texte bearbeiten. Und damit Autos autonom fahren können, müssen irgendwo Frauen und Männer Milliarden Verkehrsdaten einspeisen.
Wer sich genauer informiert, kriegt schnell raus, dass diese Klickarbeiter schuften wie Sklaven. Aber sie sind Menschen, und ich als Mensch frage: Will ich wirklich, dass Menschen wie Maschinen arbeiten müssen, damit Maschinen arbeiten wie Menschen?
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