SWR Kultur Lied zum Sonntag

Musik 1: Instrumente werden gestimmt
Wenn alle ihre Instrumente gestimmt haben, kann es losgehen! Auch mit dem Lied zum Sonntag heute: das Vaterunser ist ein Gebet, das schon oft vertont wurde. Bei Arvo Pärt, dem fast 90 Jahre alten Komponisten aus Estland, klingt das Vaterunser ganz schlicht und zugleich sehr eindringlich. Pärts Musik kommt aus der Stille, und sie will uns still werden lassen. Nur noch hören und dabei ruhig atmen. Sogar die Atempausen des Sängers sind mit einkomponiert in diese Musik, damit die gesungenen Worte nicht zu rasch verhallen, sondern in unseren Ohren und vielleicht auch in den Herzen noch etwas nachklingen. 1‘
Musik 2: Arvo Pärt: Vaterunser – mit Andreas Scholl (Altus) und Morphing Chamber Orchestra
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden …
Ja. Was der menschenfreundliche Gott will, das soll geschehen: „wie im Himmel, so auf Erden“. Gott will Gerechtigkeit, und er will den Frieden. Das Vaterunser erinnert uns daran, wie weit wir noch davon weg sind. Aber ich kann ja damit anfangen, und das Vaterunser kann mir dabei helfen. Und die Musik von Arvo Pärt, dem es ganz wichtig ist, dass wir nicht unbedacht beten. Pärt spricht vom „sorgfältigen Beten“. Was er damit meint, erfahren wir aus einer Grafic Novel mit vielen Comics. Da sieht man Arvo Pärt in ganz unterschiedlichen Lebenslagen und in einer Sprechblase steht sein schöner Satz: „Nach sorgfältigem Beten ist die Seele wie ein frisch gestimmtes Instrument.“
Musik 3: Arvo Pärt: Vaterunser
… unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben …
Vielleicht reicht als Gebet ja oft ein Vaterunser. Oder ein einziger Satz daraus. Besonders nahe ist mir die Bitte „Dein Reich komme!“ Dieses Stoßgebet öffnet mi, zwischen allen irdischen Sorgen und Problemen einen Spalt breit eine himmlische Perspektive. Wenn ich so gebetet habe, komme ich in eine andere Stimmung. Am Morgen fühlt sich der beginnende Tag dann irgendwie anders an. Zur Zeit gelingt mir das am besten, wenn ich mit dem Fahrrad zur Arbeit radle. Ich freue mich morgens an der Natur: wie schön sie ist und wie da alles zusammenstimmt. Dafür bin ich dankbar. Und auch meine Seele ist dann „wie ein frisch gestimmtes Instrument“. Ein paar Stunden später geht es der Seele dann vielleicht so wie den Instrumenten im Konzert. Die Saiten sind etwas schlaffer und die Seele etwas müder. Dann wird in einer kleinen Ruhepause auch die Seele „nachgestimmt“, mit einem Stoßgebet aus dem Vaterunser oder mit einer Musik, die in mir nachklingt.
Musik 4: Arvo Pärt: Vaterunser
Nachspiel instrumental
Textdichter und Komponist:
T: Bibel/Liturgie
M: Arvo Pärt
Musikquellen:
G0000345 (Musik 1 – Streichquartett stimmt ein)
M0702478 (Musik 2 bis 4)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42520