Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

18JUL2025
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Krieg war für mich lange etwas, das es nur in der Vergangenheit gab oder ganz weit weg stattfindet. Ich bin als junger Mann zwar noch gemustert worden, aber eigentlich wurden damals nur die Menschen verpflichtet, die topfit und bereit für den Militärdienst waren. Kurz darauf wurde die Wehrpflicht komplett ausgesetzt.

Für meine Generation war Frieden ein selbstverständlicher Zustand. Innerhalb weniger Jahre hat sich das alles gedreht: Aufrüstung, Stärke zeigen, mehr Drohnen, Panzer, Flugzeuge – das scheint das Gebot der Stunde zu sein. Nur von wenigen hinterfragt.

Mir ist das besonders bewusst geworden auf dem evangelischen Kirchentag in Hannover. Bei einer Diskussion zur Rüstungspolitik sollte eine Stellungnahme der Kirchentagsbesucher beschlossen werden: Auf deutschem Boden sollen keine Atomwaffen stationiert werden dürfen. Ich bin mir sicher: In den letzten 40 Jahren Kirchentag wäre dieser Antrag fast einstimmig angenommen worden. 2025 in Hannover hat er keine Mehrheit gefunden. Das hat mich schockiert.

Wenn selbst der friedensbewegte Kirchentag nicht mehr mehrheitlich für Abrüstung ist – wie sieht es dann mit der Gesamtbevölkerung aus? Und mit meiner ganzen Generation? Müssen wir die Angst vor einem atomaren Vernichtungskrieg erst wieder neu lernen? Und wo sind die vielen Stimmen, die in den 70er und 80er Jahren gegen das Wettrüsten auf die Straße gegangen sind? Ich will nicht anzweifeln, dass auch Menschen, die für Aufrüstung sind, den Frieden wollen. Und ich will solidarisch sein mit den vielen Menschen, die in der Ukraine unter dem Krieg leiden. Und trotzdem will ich nicht „mehr Waffen und mehr Raketen“ als einzigen Weg zum Frieden sehen. Klar, es ist bequem, sich vom Schreibtisch aus gegen Waffen auszusprechen. Und ich habe auch keine alternative Lösung, die garantiert, dass es ohne Aufrüstung schneller zum Frieden kommt. Aber ich sehne mich nach Menschen, die nach Lösungen suchen, die nicht auf mehr Stärke und Gewalt bauen. Wir brauchen dazu die Erfahrung der Menschen, die schon mal den Wunsch nach Frieden nicht aufgeben haben. Wie der Prophet, der vor über tausend Jahren geträumt hat: Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Oder die Erfahrung von den Menschen der Friedensbewegung, die diesen Vers ernst genommen haben und sich mit viel Ausdauer und Gebeten für den Frieden eingesetzt haben. Lächerliche schwach – könnte man meinen. Und vielleicht darum genau das richtige gegen den Krieg?

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42513
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