Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

09JUL2025
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Dieses Jahr hätten wir Silberhochzeit gefeiert. Mein ehemaliger Mann und ich. Aber wir feiern nicht, weil wir uns schon vor vielen Jahren getrennt haben, unsere Ehe wurde geschieden.

Ich engagiere mich schon mein ganzes Leben lang ehrenamtlich in der katholischen Kirche, und zum Zeitpunkt der Trennung war die Kirche bereits mein Arbeitgeber. Ich hatte wohl deshalb das Gefühl: Von mir wird mehr erwartet; wer mit der Kirche zu tun hat, der ist quasi „verpflichtet“, dass die christliche Ehe gelingt. So habe ich jedenfalls einige Kommentare damals gedeutet: „Das ist doch nicht christlich, dass du dich trennst.“

Klar, wir hatten kirchlich geheiratet und uns gegenseitig das Sakrament der Ehe gespendet. Wir haben Gottes Gegenwart und seine Liebe ganz bewusst mit genommen in unseren Ehebund. Und jetzt einfach mit Gott brechen? So habe ich das nie empfunden.

Denn wie ich mit der Trennung und Scheidung umgehe, auch das hat für mich mit meinem christlichen Glauben zu tun: Mir ist es wichtig, wie ich mit und über meinen ehemaligen Mann spreche; dass wir auf Streit und unschöne Worte verzichten. Dass wir weiter Respekt haben voreinander. Und versuchen, offen und transparent mit Familie und Freunden zu reden. Und das Entscheidende: dass ich die Bedürfnisse unserer Kinder trotz allem in den Mittelpunkt stellen kann.

Ich bin mir sicher: Man kann das alles gut und im besten Sinne christlich „lösen“. Und wir haben das ganz gut hingekriegt. Vielleicht sogar gerade, weil Gottes liebende Gegenwart mit im Spiel war. Denn die bleibt. Gott zieht sich nicht zurück, wenn es schwierig wird. Jesus hat das oft genug gezeigt. Wie er mit Krisen und Problemen umgeht, das bleibt für mich der Maßstab. Daran habe ich jedenfalls versucht, mich zu orientieren; auch wenn mir sicher nicht alles gelungen ist. Aber ich finde, wir haben das mit den Kindern gut gemacht, sie sind groß geworden, es sind freundliche junge Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und anfangen, ihren eigenen Weg zu gehen.

Es ist gut und richtig, dass die katholische Kirche vor einigen Jahren ihr Arbeitsrecht geändert hat. Wer heute nochmals heiratet, der verliert nicht automatisch seinen Job. Um das Jahr 2000 war das noch so. Denn es geht doch um etwas ganz anderes: Da, wo etwas von Gottes Geist und Liebe spürbar ist, da ist es gut.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42498
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