SWR3 Gedanken

09JUL2025
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Der kleine Aaron, erste Klasse, Grundschule, versteht das mit den Buchstaben nicht. Er kann ein A nicht von einem B unterscheiden. Jedes C ist ihm neu. Vom D ganz zu schweigen. Die Mutter hat einen Termin gemacht beim psychologischen Schuldienst. Ein Test soll gemacht werden, dann eine Auswertung stattfinden, Maßnahmen ergriffen werden. Wann? Frühestens nächstes Jahr.

Andere Stadt, anderes Bundesland, 2. Klasse, Grundschule. Amelie hat Phasen, da sieht sie rot, schlägt um sich, schlägt Lehrerinnen, Mitschüler, Tische, Stühle. Letztens musste die Lehrerin sie mit ganzem körperlichem Einsatz festhalten, damit sie sich und andere nicht verletzt. Die Eltern sind verzweifelt, wissen nicht, was tun. Der Termin beim psychologischen Schuldienst? Wartezeit mindestens 5 Monate.

Christian ist ein netter, unscheinbarer 13-jähriger, der immer weniger wurde. Nach nur drei Monaten Wartezeit kam er in eine Klinik für Essstörungen. Jetzt wartet er auf einen Therapieplatz. Wann? Wenn er Glück hat, in einem halben Jahr.

Psychische Probleme sollten nie aufgeschoben werden. Besonders bei Kindern und Jugendlichen, bei denen sich noch so viel entwickelt.  Da muss sofort gehandelt werden. Und doch sind Beratungsangebote und Therapieplätze für junge Menschen und ihre Familien Mangelware. Das geht so gar nicht. Kinder und Jugendliche dürfen nicht alleine gelassen werden.

Deswegen: Es muss unbedingt, mehr für die mentale Gesundheit junger Menschen getan werden.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42485
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