SWR3 Gedanken

08JUL2025
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Die wohl größte Volkskrankheit ist Einsamkeit.
Als Pfarrerin begegne ich Einsamkeit häufig bei älteren Menschen. Der Ehepartner über viele Jahrzehnte ist gestorben, die Kinder sind aus dem Haus und leben ihre eigenen Leben, Alter und Krankheiten engen den Radius immer mehr ein. Man wird einsam.

Ich begegne aber auch immer häufiger einer ganz anderen Form: einsamen Kindern und Jugendlichen. Da erzählen mir Eltern, dass ihre Kinder sich immer mehr zurückziehen. Dass sie mit ihren Netflixserien leben oder die meiste Zeit mit zocken verbringen. Und ganz langsam einsam werden.

Und dann begegne ich auch dieser Einsamkeit: Irgendetwas ist passiert:

  • Ein junger Ehemann, Vater von zwei Kindern hat einen tödlichen Unfall; zurück bleibt eine Witwe und zwei Kinder, die eine wichtige Bezugsperson und einen Gesprächspartner verloren haben.
  • Ein Mann, dessen Sohn abhängig von Drogen ist, und der nun nicht mehr ein noch aus weiß und in seiner Ratlosigkeit versinkt.
  • Eine Frau mitten im Leben, die die Diagnose Brustkrebs bekommt und angefangen hat, gegen den Krebs und um ihr Leben zu kämpfen. Das braucht alle ihre Energie.

Kontakte können nicht mehr gepflegt werden, Beziehungen und Freundschaften gehen kaputt.

Ich denke, da sind wir, die nicht Einsamen, gefragt. Den Klingelknopf drücken, fragen „Wie geht’s?“, „Kann ich etwas für Sie tun?“, da sein, zuhören, Smalltalk machen – und die Tür immer offenhalten. Menschen, bei denen der Kontakt abreißt, nicht einfach aus dem Leben verschwinden lassen, sondern dranbleiben.

Das lindert ein klein bisschen die Einsamkeit. Und die nicht Einsamen sollen damit bitte beginnen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42484
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