SWR4 Abendgedanken

10JUL2025
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Hier bei uns in Rheinland-Pfalz ist die erste Ferienwoche nun schon fast wieder vorbei. Ich genieße diese besondere Zeit, die ich deutlich hören und spüren kann.

Morgens zum Beispiel gehen keine schwatzenden Kinder am Pfarrhaus vorbei, die sich lautstark über die Schule oder die Freizeit unterhalten. Dafür höre ich bewusster die Vögel, die ihr Lied zwitschern.

Die Ferienzeit ist eine besondere Zeit. Eine Unterbrechung des gewohnten Alltags. Und diese Unterbrechungen sind wichtig. Finde ich. Endlich kann ich mal den üblichen Trott verlassen, einen anderen Rhythmus für den Tag finden. Das tut mir gut.

Unterbrechungen sind Auszeiten, beinahe schon heilige Zeiten. Weil sie Ruhe schenken, Erholung bringen. Allerdings nur, wenn ich mich darauf einlasse. Natürlich kann ich mir die Urlaubszeit auch mit all den Dingen vollpacken, die ich schon immer mal machen wollte und für die mir sonst die Zeit fehlt.

Ich kann mich aber auch so einlassen auf diese besondere Zeit. Gelassen. Mit Ruhe, mit Freude. Mal was unternehmen, mal chillen, mal aktiv sein, mal faul auf der Liege liegen. Ich kann meinen Gedanken nachhängen über Gott und die Welt, über mich und mein Leben. Ich kann mir für all das Zeit nehmen.

Ruhezeiten, Unterbrechungen der Arbeit und des Alltags sind auch gut biblisch. Denn sogar Gott selbst hat sich nach getaner Arbeit eine Auszeit gegönnt. Nach biblischem Bericht hat er in sechs Tagen eine ganze Welt erschaffen. Und sich am siebten Tag ausgeruht.

Ein guter Rhythmus. Er hat sich durchgesetzt: Den siebten Tag soll ich heiligen. Als einen ganz besonderen Ruhetag. Nichts tun, sondern einfach nur sein.

Diese Ruhe gilt in der Bibel nicht nur für die Menschen, sondern für die gesamte Schöpfung. Die Idee: Sechs Jahre sollen die Menschen das Feld bestellen, aber im siebten Jahr soll das Feld brach liegen, sich erholen, der Boden soll wieder zu Kräften kommen, damit er danach wieder ertragreich ist. Ein Siebtel der Zeit ist bestimmt für Ruhe und Entspannung.

Ferien, Urlaub, Ruhezeit – das sind göttliche Empfehlungen für mein Leben. Heilsame Unterbrechungen. Sie holen mich aus dem Alltagstrott und schenken mir neue Kraft.

Und so nehme ich mir diese Empfehlung zu Herzen, höre morgens den Vögeln zu und setze mich abends mit einem Glas Wein zu den Nachbarn vors Haus. Und lasse den Tag ausklingen, der meine Sinne anders bereichert, weil ich mehr Zeit habe, um mich selbst zu besinnen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42480
weiterlesen...