SWR4 Abendgedanken

09JUL2025
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Was ist Frieden doch für ein kostbares Gut! Noch nie ist mir das so deutlich vor Augen geführt worden wie in den letzten Wochen und Tagen. Ich mag schon gar nicht mehr Radio hören, Fernsehen schauen oder Zeitung lesen, so schockierend sind die Nachrichten, die tagtäglich übermittelt werden.

Warum hört das denn nie auf? Warum führen Menschen immer wieder Krieg gegen Menschen? Ich verstehe es einfach nicht. Vielleicht will ich es auch gar nicht nachvollziehen.

Denn es tut mir weh, wenn ich sehe: Mütter müssen nachts ihre Kinder aus dem Schlaf rütteln, sie anziehen, in den Bunker tragen. Väter werden gezwungen, zur Waffe zu greifen, sind monatelang weg und wären viel lieber bei ihren Familien. Kinder können nicht zur Schule gehen, Krankenhäuser sind zerstört, Menschen erfahren dort keine Heilung und keine Hilfe mehr.

Inmitten solcher Bilder und Nachrichten halte ich an den biblischen Visionen vom Frieden fest. Ich brauche sie. Nicht, um mich einer falschen Realität hinzugeben, sondern um überhaupt noch eine Perspektive zu haben. Der Prophet Jesaja hat in der Bibel den Menschen Bilder gemalt von einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Er hat davon berichtet, dass Wolf und Lamm friedlich beieinander wohnen, ohne sich zu töten. Er hat davon geträumt, dass Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet werden, damit die Gewalt ein Ende nimmt und ein zivilisiertes Leben wieder möglich wird.

Ja, ich weiß, es sind Bilder, aber sie drücken genau das aus, wovon ich träume: Nämlich von einer friedlichen, gerechten Welt, in der nur noch zählt, dass Menschen Menschen sind, von einer Welt, in der Herkunft und Religion, Geld und Macht keine Rolle mehr spielen, sondern in der einfach das Menschsein wichtig ist.

Für mich gehört zu dieser neuen Welt, dass wir liebevoll und respektvoll miteinander umgehen. Das fängt im Kleinen an und endet im Großen, und das Große spiegelt sich auch im Kleinen.

Vom Frieden kann geträumt werden, aber noch schöner ist es, wenn wir den Frieden auch spüren. Und somit versuche ich, ihn zu leben. In meinem Alltag. Ich setze meine Meinung nicht immer auf Biegen und Brechen durch. Ich gebe auch mal nach und vermittle zwischen verschiedenen Positionen. Und ich träume weiterhin vom großen Frieden für die Welt, von Waffen, die unbrauchbar werden, deren Material aber umgenutzt wird für den Lebensunterhalt. Ich träume vom Lamm und Wolf, die sich nicht gegenseitig auffressen, sondern in Frieden miteinander leben.

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