SWR4 Abendgedanken

08JUL2025
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Vor kurzem hat jemand zu mir gesagt: „An dir ist ein Kind verloren gegangen!“- Irritiert habe ich mich gefragt: Bin ich wirklich so kindisch? Verhalte ich mich nicht meinem Alter gemäß?

Die Bemerkung war aber lieb gemeint. Denn meine Kollegin war ganz glücklich, weil ich spontan, voller Lust und Freude bei einem Anspiel mitgemacht hatte. Ich war das größte Kind von allen und rannte laut jubelnd mit den Kindern umher und hatte richtig diebische Freude daran. „An dir ist ein Kind verloren gegangen!“

So bin ich doch gerne ein Kind. Und ich glaube, manchmal tut es einfach gut, das Kind in sich rauszulassen. Es auszugraben unter den vielen Schichten aus Pflichtbewusstsein, Organisiertheit, Arbeitswut und Strukturiertheit, die es sonst unter sich begraben. Es wach kitzeln und neugierig sein, Langeweile zulassen, spielen, offen und ungehemmt auf Neues und auf andere Menschen zugehen.

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“ – hat Jesus einmal zu seinen Freunden gesagt, die ihm Kinder lieber vom Leib halten wollten, „dann habt ihr von Gottes Welt noch gar nichts begriffen“. Mit diesem Satz stellt er auch meine Erwachsenenwelt in Frage.

Kinder sagen oder machen ganz oft einfach das, was sie denken. Sie stellen unverblümt ihre Fragen, gehen neugierig auf die Dinge zu, sagen aber auch ganz direkt, worauf sie keine Lust haben. „Wir wollen jetzt aber nichts von der Tafel abschreiben“, haben die Kinder im Religionsunterricht gesagt, „wir wollen lieber die Geschichte weiterhören.“ Eine klare, ehrliche Ansage. Und ich habe mich darauf eingelassen: Spontan haben wir gemeinsam den Unterricht verändert.

Vielleicht möchte Jesus mit seinem Satz genau diese Spontanität in mir wecken: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so habt ihr von Gottes Welt noch nichts begriffen.“ Vielleicht soll ich mehr hinterfragen und deutlicher meine Meinung sagen? Nicht einfach hinnehmen, was ist, sondern überlegen, wie es gehen könnte.

Wie ein Kind sein. Nicht kindisch, sondern – in einem guten Sinn -kindlich. Denn für Kinder ist vieles ganz normal: Ihnen fällt kein Zacken aus der Krone, wenn sie Hilfe annehmen – Sie nehmen eine Entschuldigung an und sind nicht nachtragend. Sie fragen nach Gott und sie fragen ihn Löcher in den Bauch.  

Offen und neugierig sein, auf Menschen zugehen, aber auch wissen, wann ich Hilfe brauche. Mich freuen an Kleinigkeiten. Dann ist kein Kind an mir verloren gegangen, sondern wieder eins in mir erwacht. Und ich bin Gottes Welt wieder ein Stück näher gekommen.

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