SWR4 Abendgedanken
Ich sitze mit einer Freundin in einem Kaffee. Einfach um uns gemeinsam Updates darüber zu geben, was gerade so los ist. Sie erzählt mir von einer schwierigen Entscheidung vor der sie gerade steht. Es geht um eine berufliche Veränderung, auf der sie schon lange herumdenkt. Ich finde, dass die neue Stelle voll zu ihr passt und alle um sie herum auch. Sie ist sich aber unsicher, ob sie den Schritt wagen soll oder nicht. Sie spricht darüber, wie sie sich immer wieder hin und hergerissen fühlt und dabei mit vielen Zweifeln kämpft. Vor allem Zweifel an sich selbst. Kann ich das überhaupt? Bin ich gut genug dafür? Was ist, wenn ich das nicht schaffe?
Und über allem das Gefühl: Sich nicht entscheiden zu können, weil ich/sie nicht weiß wie es wird. Das kenne ich auch von mir. Ich muss Dinge erst selbst erfahren und erleben, bevor ich weiß ob es das Richtige ist.
Bei Thomas, einem Menschen aus der Bibel, ist es ähnlich. Er ist ein Freund von Jesus. Als Jesus nach seinem Tod wieder aufersteht, kann er es einfach nicht glauben. Jesus soll auferstanden sein? Leben? Wie kann das sein? Jesus ist nicht mehr da - er ist tot. Davon ist er überzeugt. Wie soll er also auf einmal leben?
Er sagt: „Wenn ich nicht in seinen Händen das Mal der Nägel sehe und meine Hand in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ Als er Jesus selbst vor sich sieht, ihn und seine Wunden anfassen darf, kann er es glauben. Jesus lebt.
Ich verstehe, was meine Freundin meint: Sie will ihre Entscheidung nicht einfach darauf stützen, was Freunde von ihr halten und was sie ihr sagen. Sondern sie muss es selbst erleben, es ausprobieren. Genau wie Thomas, der muss sehen und fühlen, dass Jesus lebt. Erst dann fühlt er sich sicher.
Während ich darüber nachdenke, wird mir bewusst, dass auch Glaube nicht immer etwas ist, das wir nur durch eigenes Erleben finden. Das Leben verlangt manchmal von uns, zu vertrauen. Daran zu glauben, dass es gut werden kann. Das ist nicht einfach. Vor 2000 Jahren nicht und auch nicht heute. Was bleibt, ist: Dass ich manche Schritte wagen muss, indem ich auf andere vertraue. Das ist schwer, weil ich so ein Stück meiner eigenen Sicherheit aufgeben muss – vertrauen muss darauf, was andere zu mir sagen.
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