SWR4 Abendgedanken
Wir wollen mit Freunden zusammen grillen. Das Holz? Leider ziemlich feucht, nicht richtig durchgetrocknet. Aber wir geben nicht auf: Pusten, wedeln, nochmal pusten … und irgendwann klappt’s! Das Feuer fängt an zu knistern.
Jetzt warten wir ab, bis genug Glut da ist und wir anfangen können. Ich liege auf einer Bank und schaue nach oben – direkt ins grüne Blätterdach der Bäume. Die Sonne blinzelt durch die Zweige. Ich erinnere mich an die Zeit bei den Pfadfindern.
Mit denen war ich jedes Jahr im Sommer zwei Wochen auf einem Zeltlager. Irgendwo auf einer grünen Wiese haben wir unsere Zelte aufgeschlagen und uns eingerichtet, um dort das Leben für die Zeit teilen zu können. Alle zusammen – der ganze Stamm. Das heißt es sind Kids mit am Start gewesen, die gerade erst in die Schule gekommen sind, aber auch Erwachsene, die schon mitten im Leben und Beruf stehen. Obwohl wir alle unterschiedlich alt sind, uns verschiedene Dinge interessieren und wir alle ganz individuelle Sorgen haben, sind wir auf dem Zeltlager zu einer Gemeinschaft gewachsen. Die wichtigsten Momente sind für mich die Abende gewesen. An denen haben wir am Lagerfeuer gemeinsam gesungen. Und sind ins Gespräch gekommen über Gott und die Welt. Manchmal habe ich mit Wölflingen, gesprochen, die stolz waren auf das was sie geschnitzt haben. Ein anderes Mal habe ich mich mit Leuten aus meinem Alter ausgetauscht über unsere Sorgen von heute und unsere Pläne für die Zukunft. Und dann habe ich mich auch mit Erwachsenen unterhalten, die im Alltag Filialleiter der Bank sind und darüber was ihnen wichtig ist im Leben. Manchmal war ich aber auch nur in Gedanken bei mir und dem Feuer. – ich bin mitten drin gewesen. Die Erfahrungen, die ich dort mit anderen gesammelt habe prägen mich bis heute. Weil ich verstanden habe, dass eine Gemeinschaft davon lebt, dass verschiedene Leute sich einbringen und jeweils das dazu beitragen, was sie können. Die eine kann vielleicht gut schnitzen und weiß wie man eine Jurte aufbaut, der andere kann gut Geschichten erzählen und ist am Lagerfeuer voll dabei; und wieder jemand anderes kann kreativ mit zwei Töpfen für eine ganze Menge Leute kochen. Alle können sich einbringen und etwas dazu beitragen – so wird es gut. Dass ich nicht nur an mich denke, sondern für andere mit und dort helfe, wo ich gebraucht werde. Pfadfinder sein bedeutet für mich weit mehr als Abenteuer, Lagerfeuer und Zeltlager. Es ist eine Lebenseinstellung. Dass ich eben mit einer offenen und klaren Haltung durchs Leben gehe. Es bedeutet, Gemeinschaft zu leben und daran zu glauben, dass wir zusammen etwas verändern können. Das habe ich als Jugendlicher in der Gruppe gelernt, als Leiter weitergegeben, und es begleitet mich bis heute. Als aus dem nassen Holz Glut geworden ist, auf der wir jetzt grillen können, fühlt sich dieser Abend an wie früher auf dem Zeltlager.
In diesem Sinne: einen schönen Abend und Gut Pfad!
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