SWR4 Abendgedanken
Das Schuljahr geht zu Ende. Die Luft ist warm, ein bisschen schwer. In den Fluren der Schule ist es lauter als sonst. Ich merke: Die Konzentration wird weniger; die Sommerferien stehen vor der Tür.
In einer Planungsrunde in der Schule sitzen wir zusammen. Es geht um die „Good Morning“ Feier in diesem Schuljahr. Eine Feier, in der wir alle noch einmal zusammenkommen – Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, einfach alle, die dazugehören.
Die Idee ist: Einen kurzen, gemeinsamen Abschluss, bevor die Zeugnisse verteilt werden. Bevor es auseinandergeht. Und wir dann gut und gestärkt in die Ferien starten können. Aber wie macht man das so, dass sich wirklich alle angesprochen fühlen?
Egal, welcher Religion ich angehöre oder auch nicht. Egal, aus welcher Familie, aus welcher Richtung der Welt ich komme. Alle kommen in dieser Feier zusammen und haben Zeit: Zeit für sich, Zeit über das eigene Leben nachzudenken und Neues zu entdecken, Zeit für Gott und Zeit miteinander.
Wir entscheiden uns für ein Thema, das jeder kennt: Chaos und Ordnung. Ein Lehrer sagt: „Wenn dieses Schuljahr eines war, dann chaotisch.“
Chaos – das ist das Gefühl, wenn der Bus zu spät kommt, der Laptop streikt, der Stundenplan sich wieder ändert. Wenn ich nicht mehr weiß, wo ich anfangen soll. Wenn die Gedanken durcheinanderlaufen. Wenn ich darum bangen muss, nach meiner Ausbildung übernommen zu werden oder in einer neuen Stadt anzufangen. Chaos ist das Gefühl nicht zu wissen wohin mit mir. Mich unsicher und allein zu fühlen. Mich nicht orientieren zu können in meinem Leben.
Und Ordnung – das ist der Moment, wenn etwas plötzlich Sinn ergibt. Wenn ein Tag rund läuft. Wenn ich mich selbst wieder ein kleines bisschen sortieren kann. Wenn ich merke: Hier bin ich richtig, hier bin ich gewollt und angenommen mit meinen Sorgen. Hier habe ich Platz und kann mich einbringen mit dem was ich kann. Ordnung ist der Zustand, in dem ich mir sicher bin, einen Safespace habe und das Leben leicht erscheint.
Aus Chaos wird nicht einfach so Ordnung. Ich denke, für mich braucht es da Gott, der Ordnung schafft. Mit ihm an meiner Seite kann ich Perspektiven erkennen, mutiger sein, meinen Platz in der Welt finden. Anderen hilft vielleicht der Freundeskreis oder die Familie sich neu zu orientieren. Manche schaffen es aus dem Chaos ihres Lebens selbst heraus und ordnen ihre Dinge für sich. Klar ist aber, dass niemand in seinem Chaos allein ist, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Und das wollen wir in der Feier erlebbar machen.
Es soll eine Feier sein, bei der niemand denkt: „Das ist nicht für mich.“ Sondern eine, bei der man sagen kann: „Ja, das kenn ich. So fühlt sich Schule manchmal an. Und das Leben sowieso.“ Und vielleicht gehen wir am Ende nicht nur mit dem Zeugnis nach Hause. Sondern auch mit dem Gefühl: Ich bin nicht allein in meinem Chaos.
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