SWR4 Abendgedanken

30JUN2025
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Einfach mal Pause machen. Gar nicht so einfach, gerade wenn viel los ist, fällt mir das oft schwer. Dafür brauche ich Zeit und einen Ort. Einen, an dem ich einfach da sein kann. Ohne Erwartungen, ohne dass ich funktionieren muss. Auf meinem Weg nach Hause liegt unsere Kirche – direkt an der Straßenbahnhaltestelle. Manchmal nehme ich mir die Zeit. Gehe hinein und setze mich in eine der hinteren Bänke. Es ist leicht kühl und ich kann zur Ruhe kommen.

Ein paar Minuten nur. Keine großen Worte. Einfach still dasitzen, durchatmen, in meinen Gedanken sein.

Über dem Altar steht ein Satz, in goldenen Lettern, leuchtend im Licht der Kerzen: „Gott selbst und Euch Er.“

Der Satz liest sich leicht. Aber ich verstehe ihn nicht gleich. Er klingt geheimnisvoll. Und er beeindruckt mich, weil er kurz zusammenfasst wer Christus für mich ist. Er ist nicht irgendeiner. Er ist Gott selbst. Also etwas, das nicht von dieser Welt ist. Größer, höher, unbegreiflich. Ein Gott, der da zu finden ist, wo Menschen Frieden schließen. Einer, der da ist, wo Menschen füreinander leben. Ein Gott, der einer von uns ist, weil er Mensch ist: Christus einer von uns. Ein Mensch, wie du und ich. Einer, der gezeigt hat wie gutes Zusammenleben funktionieren kann und einer, der für andere da ist. All das steckt in dem kurzen Satz: „Gott selbst und euch er.“

Das ist nicht leicht zu verstehen. Wie soll das gehen – Gott und Mensch zugleich?

Jesus spricht mit einer Autorität, die kein Mensch einfach so hat. Aber er redet nicht von oben herab. Er geht zu den Menschen, hört zu, isst mit ihnen, heilt Kranke; berührt, wo andere ausweichen. Und er diskutiert – lässt Fragen zu, lässt Zweifel stehen. Er verurteilt nicht vorschnell. Gerade das macht ihn so besonders – und auch göttlich. Ich selbst bin immer schnell darin andere in Schubladen zu stecken. Anderen mit Vorurteilen zu begegnen und nur halb zuzuhören, was sie zu sagen haben. Aber Jesus ist da anders.

Er ist den Menschen zugewandt. Nicht kämpferisch. Auch wenn sich viele damals etwas Anderes erhofft haben. Nämlich einen, der die Macht übernimmt. Einen, der die Regeln macht und die Ordnung schafft. Manche waren enttäuscht, dass er so anders war. Und auch heute, wenn ich ehrlich bin, wünsche ich mir manchmal jemanden, der mir genau sagt, was richtig und falsch ist. Der mir die Entscheidung abnimmt. Aber Jesus tut das nicht. Er macht keine Ansagen von oben.

Er schaut mich an, stellt Fragen. Und traut mir zu, dass ich meinen Weg finde. Mit Fehlern, mit Umwegen, mit Zweifeln. Ich verstehe das heute so: Eben, dass ich zu ihm kommen kann, mit meinen Sorgen, mit dem was mich umtreibt. (Dass er mir zuhört und da ist, dass er mich begleitet, gerade wenn es schwierig ist, weil er mich versteht, weil er selbst Mensch geworden ist. Bei dem Satz: „Gott selbst und euch er“, merke ich: Ich bin gemeint. Für mich ist er auf die Welt gekommen. Für mich ist er da.) Für meinen Alltag bedeutet das: Ich muss nicht perfekt sein. Ich muss nicht alles wissen, nicht alles im Griff haben. Ich darf mich irren, darf Fragen haben, darf zweifeln. Aber ich bin nicht allein. Da ist einer, der mich sieht. Der bei mir bleibt, auch wenn ich mir selbst nicht sicher bin.

Und vielleicht genügt das manchmal: Zu wissen, dass ich mit meinen Fragen nicht durchfallen kann – sondern getragen bin.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42442
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