Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

03JUL2025
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Noch vier Wochen, dann sind in Baden-Württemberg Sommerferien. In den Schulen hier ist deshalb Endspurt angesagt. Unsere Kinder schreiben jetzt nochmal jede Menge Klassenarbeiten, auch Referate werden ausgearbeitet, mündliche Noten gemacht … Und bald stehen die Gesamtergebnisse dann schwarz auf weiß in den Jahreszeugnissen.

Wie stressig und anstrengend das für die Kinder und Jugendlichen ist, bekomme ich ja ein bisschen mit. Ich weiß auch noch gut, welchen großen Stellenwert Noten für mich als Schüler früher hatten. Heute schreibe ich selbst keine Klassenarbeiten mehr. Aber ich finde die Frage herausfordernd: Wie gehen wir als Eltern gut um mit den schulischen Leistungen unserer Kinder? Wie reagiere ich als Vater auf die 1- in Musik oder die 4-5 in Mathe?

Ein Hinweis hat mir dabei geholfen: Wenn ich unsere Kinder für gute Noten lobe und bei schlechten Leistungen zur Rede stelle, dann bewerte ich sie damit. Auf diese Weise mache ich sie klein oder groß – aber auf jeden Fall abhängig von meiner Meinung. Und – diese Bewertungen brauchen unsere Kinder auch gar nicht. Über eine 1- freuen sie sich nämlich auch selbst schon. Und über eine 4-5 ärgern sie sich auch ohne mich, und in aller Regel wollen sie auch selbst was daran ändern.

Stattdessen will ich versuchen, die Emotionen und Gefühle meiner Kinder mit ihnen auszuhalten und mitzufühlen. Ich freue mich mit ihnen, wenn eine Klassenarbeit gelungen ist. Also statt: „Das hast du gut gemacht!“ sage ich: „Ich freu‘ mich mit dir!“ und strahle mit. Und wenn es nicht so gut läuft, bin ich gemeinsam mit ihnen sauer und grummle mit über die doofen Aufgaben. Ich glaube, dann merken meine Kinder: Da sieht mich jemand. Und ich bin ernst genommen mit dem, was einen großen Teil meines Alltags ausmacht.

Gleichzeitig finde ich es auch wichtig, ernst zu nehmen, dass meine Gefühle nochmal anders sind als die meiner Kinder. Ich habe mehr Abstand, weil es ja nicht meine Noten sind. Auch mehr Lebenserfahrung, was den Umgang mit Emotionen angeht. Und als Elternteil ist es natürlich auch meine Aufgabe, mit zu überlegen, was sich vielleicht wie verändern lässt. Also auch mal den Finger in die Wunde zu legen und einzufordern, dass die Vokabeln vernünftig gelernt werden. Aber auch das geht ja leichter, wenn ich die Gefühlslagen meiner Kinder an mich herangelassen habe.

Und genauso will ich meinen Kindern mitgeben, dass Noten und Leistungen längst nicht alles sind. Das Leben ist noch so viel mehr Gott sei Dank. Auch jetzt im Zeugnis-Endspurt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42439
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